Merkels Geheimnis
Ständiger Sitz im UN-Sicherheitsrat - für Deutschland ferner denn je
Kommentar von Andreas Zumach
Warum die Bundeskanzlerin vor der UNO-Generalversammlung erneut die Forderung nach einem
ständigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat erhoben hat, bleibt ihr Geheimnis. Merkels
- richtige - Feststellung, in seiner jetzigen Zusammensetzung spiegele der Rat nicht mehr
die Welt von heute wider, stand bereits in der Rede, mit der 1993 der damalige
Bundesaußenminister Kinkel (FDP) erstmals den Anspruch auf einen deutschen Sitz erhob.
Mit seinen Prognosen, Deutschland werde bereits zum 50. Jubiläum der UNO im Juni 1995
ständiges Ratsmitglied werden, spätestens aber bis zum Jahr 2000, verlor Kinkel
zahlreiche (bis heute unbezahlte) Rotweinwetten.
Danach blamierte sich die Regierung Schröder/Fischer mit ihrer Sitzkampagne und den
ständigen Ankündigungen, Berlin werde die damals angepeilte Ratserweiterung um
Deutschland, Japan und vier weitere Staaten "durchsetzen". Dabei war dieses
Paket immer chancenlos. Denn das ständige Ratsmitglied China hätte seine erforderliche
Zustimmung zu einem ständigen Sitz für Japan wegen der historischen Spannungen zwischen
beiden Ländern nie gegeben. Die Bedenken in Peking sind in den letzten zwei Jahren sogar
noch gewachsen. Schließlich versuchen die USA, Japan zum militärischen Juniorpartner in
Nordostasien und Gegengewicht zu China aufzurüsten, zudem beunruhigt China die
innerjapanische Debatte über eine atomare Bewaffnung des Landes.
Abgesehen von der Realitätsuntüchtigkeit ihrer Forderung hat Merkel auch keine
überzeugende Begründung geliefert. "Mehr Verantwortung übernehmen" könnte
Deutschland in sämtlichen wichtigen globalen Fragen, die auf der UNO-Agenda stehen, auch
ohne einen ständigen Sitz im Rat. Zudem gibt es aus den letzten 17 Jahren seit Ende des
Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands keine Entscheidung des Rates, die
von einer Bundesregierung kritisiert wurde oder die bei einer ständigen
Ratsmitgliedschaft Deutschlands anders ausgefallen wäre. Und es gab auch keine Initiative
Deutschlands in der UNO, die am fehlenden Sitz im Rat scheiterte.
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