Bush schlägt Japan vor
Andreas Zumach
Bei seinem Auftritt vor der UNO-Vollversammlung in New York sprach sich US-Präsident
George Bush für Japan als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates aus. Einhelliger
Wunsch: eine stärkere UNO.
Zum Auftakt der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York hat
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon gestern eine nachhaltige Stärkung der Weltorganisation
gefordert. US-Präsident George Bush nutzte seinen Auftritt vor allem für scharfe
Attacken gegen "diktatorisch regierte" Staaten wie Kuba, Simbabwe, Birma und
Iran, dessen Regierung er als "brutales Regime" in eine Reihe mit Nordkorea,
Syrien und Weißrussland stellte. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, dessen Auftritt
vor der UNO-Vollversammlung nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe stattfand, hatte der
Bush-Administration am Montagabend in einer Rede an der New Yorker Columbia-Universität
vorgeworfen, Terroristen zu fördern. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte ihre für
gestern Abend (Ortszeit New York) vorgesehene Rede zu einem Plädoyer für einen
ständigen Sitz Deutschlands im UNO-Sicherheitsrat nutzen.
Ban, der seit Januar als UNO-Generalsekretär amtiert, forderte vor den Staats- und
Regierungschefs der 192 Mitgliedsländer eine "stärkere UNO". Denn die Welt
stehe in den kommenden Jahren vor einer "gewaltigen Reihe von
Herausforderungen", vom Kampf gegen den Klimawandel und die Armut auf der Welt bis zu
den Konflikten im Sudan und in Nahost. Konkret forderte Ban die Mitgliedstaaten auf, die
2000 von einem UN-Gipfel beschlossenen "Millenniums-Entwicklungsziele" zur
Bekämpfung der weltweiten Armut bis 2015 nachhaltig zu verfolgen.
Präsident Bush erklärte, die USA seien offen für eine Erweiterung des
UNO-Sicherheitsrates. Als potenzielles künftiges ständiges Ratsmitglied erwähnte der
Präsident allerdings lediglich Japan - sehr zur Enttäuschung in der Delegation von
Bundeskanzlerin Merkel. Die Kanzlerin wollte in ihrer Rede am Abend Deutschlands Anspruch
auf einen ständigen Ratssitz bekräftigen und hatte auf die Unterstützung Washingtons
gehofft. Deutschland sei "bereit, Verantwortung zu übernehmen" und strebe
deshalb einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an, hieß es in Merkels Redemanuskript.
Die Handlungsfähigkeit der UN als solche müsse gestärkt werden, weil sie der einzige
Ort gemeinsamer verbindlicher Antworten sei. Zudem sah das Redemanuskript der Kanzlerin
scharfe Kritik am iranischen Atomprogramm vor.
Am Montagabend hatte der iranische Präsident bei einer Rede an der New Yorker
Columbia-Universität die Kritik der Bush-Administration sowie Deutschlands und anderer
EU-Regierungen am iranischen Nuklearprogramm als "scheinheilig" zurückgewiesen.
"Wer die Atombombe bereits in der fünften Generation produziert und testet, hat wohl
kaum das Recht, ein Volk zu kritisieren, das sich nur nukleare Energie zunutze machen
will", erklärte Ahmadinedschad mit Blick auf die USA.
Den Vorwurf der Bush-Administration, dass Teheran Terroristen und Milizen im
Nachbarland Irak mit Waffen ausstatte, hatte Ahmadinedschad schon zuvor bei einer
Pressekonferenz zurückgewiesen. "Das stimmt nicht", beharrte er. Das
US-Militär versuche mit dem Vorwurf nur seine Niederlage im Irak zu vertuschen und die
Schuld auf andere, vor allem auf den Iran abzuschieben. Neben stellenweise großem Beifall
für seine kritischen Äußerungen zur Politik der Bush-Administration erntete der
iranische Präsident auch schärfste Kritik für seine wiederholten Äußerungen zum
Holocaust und zu Israel. Außerhalb des Universitätsgeländes protestierten rund 25.000
Menschen gegen den Auftritt Ahmadinedschads.
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