Frieden für Öl
Die USA wollen der UNO mehr Schuld am Desaster im Irak zuschieben
Kommentar von Andreas Zumach
Jetzt soll die UNO wieder ran und für politische Versöhnung, Wiederaufbau und
Stabilität im Irak sorgen. Entsprechende Absichtserklärungen haben die USA und
Großbritannien am Wochenende bei einer Irak-Konferenz durchgesetzt. Dabei wurde der UNO
in ihrer über 60-jährigen Geschichte nie so geschadet wie durch den anglo-amerikanischen
Irakkrieg vom Frühjahr 2003.
Washington und London führten diesen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den erklärten
Willen großer Mehrheiten sowohl im Sicherheitsrat wie in der Vollversammlung. All die
Warnungen vor den katastrophalen Folgen eines Krieges, die seinerzeit in diesen beiden
wichtigsten UN-Gremien vorgebracht wurden, haben sich nicht nur bestätigt, sondern werden
von den grausamen Realitäten im Irak sogar noch weit übertroffen. Wenn Iraks
Premierminister Nuri al-Maliki einer künftig verstärkten UN-Mission jetzt
"Sicherheit garantiert", klingt dies wie ein schlechter Witz. Der Regierungschef
konnte bislang nicht ein- mal die Sicherheit seiner eigenen Minister garantieren.
Nun könnte man ja vielleicht bereit sein, diese ganze Vorgeschichte ad acta zu legen -
wenn denn eine verstärkte Rolle der UNO im Irak Aussicht böte auf eine Verbesserung der
Lage. Eben dies ist aber unter den vorherrschenden Rahmenbedingungen nicht zu erwarten.
Solange die Besatzung des Landes durch US-amerikanische und britische Truppen anhält,
haben politische Versöhnungsbemühungen der UN keine Chance. Es kommt hinzu: Um eigene
Interessen weiterhin ungestört durchsetzen zu können, haben die USA und Großbritannien
festgelegt, dass sich die UN aus einem der zentralen innenpolitischen Streits
heraushalten: der Verfügung über die Ölreserven Iraks und der Beteiligung
ausländischer Konzerne an diesen Reserven.
Hinter den Bemühungen der USA und Großbritanniens um eine stärkere Rolle der UNO im
Irak steckt in erster Linie das Kalkül, die eigene Verantwortung für das dort
geschaffene Desaster künftig auf die Weltorganisation abschieben zu können. Bleibt zu
hoffen, dass dieses Kalkül scheitert - und sei es auch nur an den Sicherheitsbedenken der
UNO-Personalvertretung.
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