TAZ
23. August 2007


Schluss mit der Erbhofpraxis

Eigenartig, aber gut: Russland schlägt Tschechen als IWF-Chef vor

Kommentar von Andreas Zumach

Eine öffentlich ausgetragene Konkurrenz bei der Besetzung internationaler Posten ist sehr gut. Insofern ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass mit Tschechiens früherem Notenbankchef Josef Tosovsky jetzt neben dem Franzosen Dominique Strauss-Kahn endlich ein zweiter offizieller Bewerber für den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IFW) existiert, der ab Oktober zu besetzen ist. Und dazu erstmals ein Kandidat aus Osteuropa - 18 Jahre nach Ende des Kalten Krieges.

Über die Motive der russischen Regierung, Tosovsky noch kurz vor Ende der Bewerbungsfrist am 31. August als Kandidaten zu nominieren, kann man bislang allerdings nur rätseln. Glaubt Moskau, dass Tosovsky trotz seiner fachlichen Qualifikationen bei der Wahl durch die 185 IWF-Staaten auch nur den Hauch einer Chance hat? Zumal Tosovsky von der Prager Regierung nicht unterstützt wird und es ungeklärte Hinweise darauf gibt, dass er mit dem tschechoslowakischen Geheimdienst vor 1989 zusammengearbeitet hat. Will Putin die EU spalten, die sich nach der überraschenden Rücktrittserklärung des amtierenden spanischen IWF-Chefs Rodrigo Rato Ende Juni von dem neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sehr schnell dessen Landsmann Strauss-Kahn als gemeinsamen Kandidaten aufdrängen ließ?

Moskau dürfte es kaum gelingen, die EU auseinanderzudividieren. Doch könnte die Bewerbung Tosovskys Frauen oder Männer aus einem der Länder des Südens, die an dem IWF-Chefposten interessiert und dafür qualifiziert sind - wie etwa Südafrikas Finanzminister Trevor Manuel - noch zu einer offiziellen Kandidatur ermutigen. Nur dann bestünde eine Chance, dass die zwischen Brüssel und Washington ausgekungelte fragwürdige Erbhofpraxis beendet würde, nach der der IWF-Chefposten bislang immer von der EU und das Amt des Weltbankpräsidenten immer von den USA besetzt wurde. Auch daran hängt - neben allen drängenden institutionellen Reformen und Veränderungen der politischen Praxis dieser beiden Organisationen - ihre Glaubwürdigkeit bei der großen Mehrheit der Mitglieder.