Unmöglicher Auftrag in Afghanistan
Kommentar von Andreas Zumach
Heute vor einem Monat, drei Tage nach ihrem tödlichen Anschlag auf drei
Bundeswehrsoldaten in Kundus, kündigten die Taliban die "flächendeckende Kampagne
Hinterhalt" gegen Ziele im ganzen Land an. Diese Strategie von immer mehr
(Selbstmord-)Attentaten zusätzlich zu punktuellen militärischen Angriffen ist sehr
"erfolgreich". Die Ankündigungen der Nato-Regierungen hingegen sind nur heiße
Luft. Ihren Erfolgsmeldungen glaubt die Mehrheit der Bevölkerung der meisten
Mitgliedsländer längst nicht mehr.
Das militärische Vorgehen der Nato in Afghanistan ist kontraproduktiv, da es immer
mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung fordert und den Taliban mehr Sympathie und neue
Kämpfer zutreibt. Diesen Krieg in Afghanistan kann die Allianz nur verlieren. Zumal die
wichtigste Finanzquelle der Taliban, der Anbau und Verkauf von Drogen, ungehindert
sprudelt. Vergebens haben die ranghöchsten militärischen Nato-Kommandeure die
Regierungen der Nato-Staaten auf dem letzten Gipfel Ende 2006 aufgefordert, gegen das
Drogenproblem vorzugehen.
Für den Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der Isaf in Nordafghanistan bedeutet dies:
Der Auftrag der deutschen Soldaten, Wiederaufbau abzusichern und das Land zu
stabilisieren, ist notwendig und richtig. Das gilt trotz der berechtigten Kritik vieler
Nichtregierungsorganisationen. Etwa daran, wie der Einsatz praktisch umgesetzt wird oder
dass die "zivilmilitärische Zusammenarbeit" vor Ort durch die Bundeswehr
bestimmt wird. Doch unter der Rahmenbedingung eines eskalierenden Krieges im übrigen
Afghanistan wird der Bundeswehreinsatz im Norden unmöglich.
Die Bundesregierung sollte diese Tatsache nicht länger verdrängen. Die im Herbst
anstehende Entscheidung über eine Verlängerung des Einsatzes in Nordafghanistan muss sie
davon abhängig machen, ob die Nato den Krieg in den anderen Teilen des Landes beendet. So
könnte Berlin im Bündnis die längst überfällige Überprüfung der Afghanistanmission
erzwingen. Tut die Bundesregierung dies nicht, wird innenpolitischer Druck infolge immer
mehr getöteter deutscher Soldaten sie schon bald zum planlosen Abzug aus Afghanistan
zwingen.
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