USA lehnen Pretorias Vorschlag ab
Südafrika wirbt im UNO-Sicherheitsrat um eine 90-tägige "Auszeit" beim
Iranstreit
Andreas Zumach
Südafrika, das in diesem Monat den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat führt, bemüht sich
trotz Widerständen in Washington und London weiterhin um ein Deeskalation des Konflikts
um das iranische Atomprogramm. Pretoria bleibt bei seinem Anfang der Woche unterbreiteten
Vorschlag, wonach der Sicherheitsrat und Teheran eine 90-tägige "Auszeit" in
dem Konflikt nehmen sollen, die beiden Seiten die Gesichtswahrung und die Wiederaufnahme
von Verhandlungen um eine politische Lösung erlaubt. Für den Fall, dass der Rat diesen
Vorschlag ablehnt, besteht Südafrika weiterhin darauf, den letzte Woche gemeinsam von den
fünf ständigen Ratsmitgliedern (USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien)
sowie von Deutschland vorgelegten Resolutionsentwurf mit verschärften Sanktionen gegen
Iran in wesentlichen Punkten abzuschwächen. Zu einer Verabschiedung dieses
Resolutionsentwurfes noch im Laufe dieser Woche, worauf vor allem die USA drängen, wird
es wegen der grundsätzlichen Einwände Südafrikas sowie geringfügiger
Änderungswünsche der Ratsmitglieder Indonesien und Katar daher mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht kommen.
Südafrikas Initiative sieht vor , dass der Sicherheitsrat seine bereits im letzten
Dezember beschlossenen Sanktionen gegen Iran für 90 Tage "suspendiert" . Zudem
solle der Rat zumindest für diese Zeitspanne seine bisherige Vorbedingung aufgeben,
wonach neue Verhandlungen mit Teheran erst nach einer Einstellung der Urananreicherung in
Frage kommen. Die iranische Führung soll ihrerseits "freiwillig" alle
Aktivitäten zur Urananreicherung für 90 Tage "aussetzen" und den Inspekteuren
der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) die Überwachung dieser Maßnahme
ermöglichen.
Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte bei Treffen mit dem iranischen Außenminister
Mautschehr Mottaki am Dienstag darauf gedrungen, dass Teheran öffentlich seine
Bereitschaft zu dieser "freiwilligen Aussetzung" erklärt.
Bei der Bush-Regierung stößt Pretorias Initiative allerdings auf entschiedene
Ablehnung. Man erwarte, dass Südafrika seine grundsätzlichen Einwände und
Gegenvorschläge zurücknehme und den vorliegenden Resolutionsentwurf " in seinen
wesentlichen Punkten" mittrage, erklärte ein hochrangiger Vertreter des
US-Außenministeriums in der Nacht zu gestern. Der britische UNO-Botschafter Emyr Jones
Parry bezeichnete die Initiative Pretorias als "wenig hilfreich".
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