Nord-Süd-Konflikt im UN-Gremium
Der Rat für Menschenrechte blockiert sich weiterhin selbst
Kommentar von Andreas Zumach
Der Kompromiss des Genfer UNO-Menschenrechtsrats über seine künftigen Arbeitsregeln
ist ein Rückschritt. Ein Rückschritt gegenüber den Bedingungen in der Anfang 2005
aufgelösten Menschenrechtskommission, der oft als "ineffektiv"und
"unglaubwürdig" geschmähten und voreilig aufgelösten Vorgängerin des Rats.
Das zeigt vor allem der strikte Verhaltenskodex für die Berichterstatter, die der Rat im
Rahmen eines Sonderverfahrens in ein Land entsenden kann, um die Lage der Menschenrechte
vor Ort zu überprüfen.
Zwar ist es ein Fortschritt, dass der Rat über derartige Sonderverfahren hinaus
künftig die Situation der Menschenrechte in allen 192 UNO-Staaten "regelmäßig
überprüfen"darf. Doch die dafür vom Rat vereinbarten Regeln sind so einseitig an
den Schutzinteressen von Regierungen orientiert, dass von dem Fortschritt in der Praxis
wahrscheinlich wenig übrig bleiben wird. Zu verantworten haben diesen Rückschritt rein
rechnerisch eine derzeit von China, Pakistan, Algerien und Kuba angeführte Koalition von
Staaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Sie hat im Rat eine größere Mehrheit als in
der früheren Kommission.
Die Koalition ist nicht nur deshalb relativ geschlossen aufgetreten, weil die
Regierungen dieser Staaten Menschenrechte gering achten. Ihr Auftritt ist auch ein Beleg
für den Nord-Süd-Konflikt, der seit spätestens Mitte der 90er-Jahre in der früheren
Kommission eskaliert. Die Länder des Nordens haben sich fast nur auf die bürgerlichen
und politischen Freiheitsrechte konzentriert. Wirtschaftliche und soziale Menschenrechte,
die - wie das Recht auf Ernährung - in vielen Ländern des Südens nicht oder nur sehr
eingeschränkt existieren, haben sie sträflich vernachlässigt. Länderkritische
Resolutionen wurden fast ausschließlich vom Norden wegen Menschenrechtsverletzungen im
Süden eingebracht. Als etwa Kuba eine US-kritische Resolution zu Guantánamo einbrachte,
verweigerten die EU-Länder die Unterstützung. Den Nord-Süd-Konflikt hat in erster Linie
der Norden zu lösen. Sonst bleibt es bei der Blockade des Menschenrechtsrats.
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