Multis starten vage Klimaschutzinitiative
Rund 100 global tätige Unternehmen verpflichten sich im Rahmen der UN-Initiative
Global Compact, den Ausstoß von Kohlendioxid und den Energieverbrauch künftig zu
drosseln. Um wie viel, wie und bis wann, bleibt aber offen
Andreas Zumach
Hundert global tätige Firmen wie Bayer, die Allianz, Ikea und Coca-Cola wollen sich im
Rahmen der "Global Compact"-Partnerschaft mit der UNO stärker als bisher für
den weltweiten Klimaschutz engagieren. Zum Abschluss einer zweitägigen Sitzung des Global
Compact verabschiedeten sie am Freitag eine Erklärung, in der sie Maßnahmen versprechen,
mit denen sie den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid vermindern wollen. Beim
UNO-Klimarat sowie bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) stieß die
Klimaschutzinitiative auf Kritik.
Der Global Compact war vor sieben Jahren von dem damaligen UN-Generalsekretär Kofi
Annan initiiert worden. Er bezeichnet eine Art Pakt zwischen UNO und Unternehmen, die sich
in seinem Rahmen verpflichten, die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten.
Zu dem Treffen in Genf, das eine Zwischenbilanz ziehen sollte, waren rund 1.000 Vertreter
multinationaler Konzerne angereist.
In ihrer Absichtserklärung schreiben die 100 Unternehmen, dass sie "die
schädliche Kohlendioxidemission und den Energieverbrauch drosseln" wollen. Konkrete
Reduktionsziele und zeitliche Fristen nennen sie in dem Dokument allerdings nicht.
Coca-Cola-Chef Neville Isdell erklärte, sein Konzern wolle den Klimaschutz in allen
Unternehmensbereichen fördern. Nur die Firmen, die den Klimaschutz ernst nähmen, hätten
in Zukunft Erfolg bei den Verbrauchern.
Achim Steiner, der Leiter des UN-Umweltprogrammes Unep, sagte, die Erklärung zur
Bekämpfung der Erderwärmung zeige, "dass sich die Industrie in einem Aufbruch"
befinde. Der Vorsitzende des UN-Klimarates, Rajendra K. Pachauri, kritisierte dagegen,
dass die Initiative nicht bindend sei. Die "Koordination gegen Bayer-Gefahren"
hält sie für "reine PR-Aktion und kontraproduktiv": Die Firmen würden zwar
staatliche Hilfen für ökologische Modernisierungsmaßnahmen und Umstrukturierungen
fordern, sich aber nicht auf konkrete, verbindliche Ziele verpflichten. Hauptziel der
Absichtserklärung sei offensichtlich, verbindliche staatliche Vorgaben für die Reduktion
von Kohlendioxid-Emissionen zu verhindern.
Die Koordination verwies auf die Bayer AG, die zu den Erstunterzeichnern der
Absichtserklärung gehört. Während der Konzern sich in der Öffentlichkeit gerne als
Vorbild in Sachen Klimaschutz präsentiere, plane er zugleich gemeinsam mit dem Krefelder
Unternehmen Trianel den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes, das pro Jahr 4 Millionen Tonnen
Kohlendioxid ausstoßen werde.
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