Iran: Atomkrise ohne Grund?
Kommentar von Andreas Zumach
Die US-Geheimdienste geben Entwarnung: Das iranische Atomwaffenprogramm sei vor vier
Jahren gestoppt worden. Diese Erkenntnis böte den Regierungen in Washington, London,
Paris und Berlin eine große - vielleicht letzte - Chance, ihre fatale Politik gegenüber
Teheran zu korrigieren. Sie würden damit die Gefahr einer kriegerischen Eskalation
mindern.
Noch ließe sich ein solcher Kurswechsel ohne allzu großen Gesichtsverlust einleiten.
Dafür könnte man auch die unsinnige Behauptung übersehen, die jetzt in den vier
Hauptstädten verbreitet wird: dass die Einstellung eines iranischen Atomwaffenprogramms
im Jahre 2003 ein Erfolg der gemeinsamen Politik gegenüber Teheran in den letzten vier
Jahren sei.
Tatsächlich war diese Politik kontraproduktiv. Denn seit sich Frankreich,
Großbritannien und Deutschland Anfang 2005 auf die Forderung einigten, Teheran solle
vollständig und endgültig auf die Urananreicherung verzichten, hat dies lediglich die
Hardliner um Irans Präsident Ahmadinedschad sowie die Fraktion der Atomwaffenbefürworter
in Teheran gestärkt.
Die Forderung nach einem Verzicht auf eine Urananreicherung kam seinerzeit vom
damaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer, der sie gegenüber den EU-Partnern
durchsetzte. Deshalb trägt Deutschland heute eine besondere Verantwortung, den Konflikt
wieder zu deeskalieren. Angebracht wäre jetzt eine Initiative der Regierung Merkel, die
bereits verhängten UNO-Sanktionen gegen Iran aufzuheben sowie Washington zu Verhandlungen
mit Teheran über die Normalisierung der bilateralen Beziehungen auf allen Ebenen zu
bewegen.
Doch danach sieht es nicht aus. Die Regierungen in Berlin, Paris, London und Washington
scheinen weiter fest entschlossen, den Konfrontationskurs gegen Iran fortzusetzen und die
Sanktionen zu verschärfen. Darauf deuten zumindest die ersten Reaktionen auf den neuen
Bericht hin. Damit könnte die Bush-Administration den Konflikt um das iranische
Atomprogramm weiter treiben. Dabei geht es ihr in Wirklichkeit um ein anderes Ziel: um
einen Regimewechsel in Teheran, notfalls mit militärischen Mitteln.
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