Konzerne verletzen Menschenrechte
Der Global Compact der Vereinten Nationen, in dem sich Unternehmen selbst zu mehr
Öko- und Sozialstandards verpflichten, ist ein Ablenkungsmanöver, kritisieren
Nichtregierungsorganisationen. Amnesty international bleibt dennoch dabei.
Andreas Zumach
Begleitet von massiver Kritik namhafter Nichtregierungsorganisationen (NGO), beginnt am
heutigen Donnerstag ein zweitägiges "Gipfeltreffen" des Global Compact im
Genfer Palast der Organisation der Vereinten Nationen (UNO). Inzwischen haben sich rund
3.200 Firmen aus aller Welt in dieser freiwilligen Vereinbarung auf zehn allgemein
gehaltene soziale, ökologische und menschenrechtliche Standards bei der
Unternehmensführung verpflichtet. Dazu gehört das Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit,
Diskriminierung und Korruption. An dem Treffen nehmen Vorstände von 44 Unternehmen sowie
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon teil.
Die NGOs kritisieren die vage Formulierung der zehn Selbstverpflichtungen, ihre
Freiwilligkeit und den Mangel an Instrumenten, die ihre Einhaltung überwachen könnten.
"Der Global Compact ist ein zahnloses Instrument, das ablenkt von den dringend
notwendigen verbindlichen Regeln insbesondere für international tätige Konzerne",
kritisierte Jens Martens von dem in New York und Bonn residierenden NGO Global Policy
Forum am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Genf.
Der Global Compact diene "lediglich dazu, das Image der beteiligten Firmen
aufzupolieren, während die sogenannte Partnerschaft mit Unternehmen wie Coca-Cola oder
Siemens zugleich das Image und die Glaubwürdigkeit der UNO beschädigt", erklärte
Martens. Viele Unternehmen, "die sich auf der internationalen Bühne des Global
Compact ein ökologisches oder soziales Mäntelchen umhängen", betrieben in ihren
Firmensitzländern "aktives Lobbying gegen verbesserte Umwelt- und
Sozialstandards".
Daniel Mittler von Greenpeace International kritisierte, dass die finnische Areva und
der deutschen Energiekonzern RWE "trotz ihrer Mitgliedschaft im Global Compact den
Bau von teuren und gefährlichen Atomkraftwerken sowie von klimaschädlichen
Kohlekraftwerken vorantreiben". Aftab Alam Khan von der NGO Action Aid betonte, der
Global Compact habe "bislang nirgendwo zu einem Rückgang der von Unternehmen zu
verantwortenden Menschenrechtsverletzungen geführt".
Sieben Jahre nach seiner Gründung gibt es keine unabhängige Evaluierung des Global
Compact. Stattdessen liegt nur eine von seiner New Yorker Geschäftsstelle selbst in
Auftrag gegebene Untersuchung durch McKinsey vor. Diese beruht wiederum ausschließlich
auf Berichten, die die Firmen selber verfasst haben. Selbst nach dieser Untersuchung haben
Firmen nur in 10 Prozent aller Fälle infolge ihrer Mitgliedschaft beim Global Compact
soziale, ökologische oder menschenrechtliche Standards ihrer Unternehmenspraxis
verbessert.
Dennoch beteiligt sich eine Minderheit der bei der UNO akkreditierten NGOs am Global
Compact - darunter amnesty international, Oxfam und Transparency International. Die Frage
nach den Kriterien für einen Ausstieg wollte ai-Vertreterin Audrey Gaughran am Mittwoch
in Genf nicht beantworten.
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