Radtour zum UNO-Gebäude mit Hindernissen
Nebensachen aus Genf
Kommentar von Andreas Zumach
Ein seltenes Bild bot sich Mitte voriger Woche auf dem UN-Gelände in Genf. Vor dem
Hauptportal des Palais des Nations posierten rund 30 RadfahrerInnen mit ihren Drahteseln.
Unter ihnen der frühere Minister Adolf Ogi. Seit 2001 fungiert er als Sonderbeauftragter
des UN-Generalsekretärs, verantwortlich für die Förderung des Sports im Dienst von
Entwicklung und Frieden. In dieser Funktion und als aktiver Radler hatte Ogi die
Schirmherrschaft übernommen für eine Aktion zur Förderung der umweltfreundlichen
Mobilität und Gesundheit: "Bike to work - Mit dem Fahrrad zur Arbeit".
Im Rahmen der Aktion verpflichteten sich rund 34.000 Schweizer Berufstätige aus 607
eidgenössischen Firmen, im gesamten Juni das Fahrrad zu benutzen. Die 2005 erstmals
durchgeführte Aktion ist ein voller Erfolg. 34.000 Teilnehmer in diesem Jahr bedeuten
einen Zuwachs um 50 Prozent gegenüber 2006. Das wichtigste Ergebnis der beiden vorigen
Jahre aber ist, dass ein Drittel der Teilnehmer an der Aktion dauerhaft aufs Fahrrad
umgestiegen sind.
Bei der UN in Genf hat die Aktion bislang keine spürbaren Folgen. Von den mehr als
2.500 ständigen UN-Mitarbeitern und rund 120 Journalisten kommen im Jahresschnitt pro Tag
weniger als 2 Prozent mit dem Rad. Noch fahrradunfreundlicher fällt die Statistik
aus, wenn man die Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter berücksichtigt. Insbesondere die
Diplomaten fahren fast immer mit dem Wagen vor. Und diese Autos werden von Jahr zu Jahr
größer, benzindurstiger und damit umweltfeindlicher.
Dabei gäbe es, selbst wer nicht auf das Fahrrad umsteigen möchte, in Genf inzwischen
ein attraktives Angebot zumindest ökologischer Alternativen zum Auto. Unter dem für
Umwelt und Verkehr zuständigen Genfer Regierungsrat Patrick Mugny - einem der beiden
Präsidenten der Grünen Partei - wurde der Wiederaufbau des in den 60ern stillgelegten
Straßenbahnsystems begonnen. Inzwischen fahren direkt vor dem Haupteingang des
UN-Gebäudes zwei Tramlinien auf Vorzugsstraßen ins Zentrum und zum Hauptbahnhof. In alle
anderen Richtungen verkehren vom UN-Gebäude aus in dichter Taktfolge Busse, die
inzwischen überwiegend mit Erdgas betrieben werden. Weniger als 20 Minuten braucht ein
direkter Bus zum Flughafen Genf.
Für die wenigen, die bisher zur Arbeit im UN-Gebäude mit dem Rad kommen, haben sich
die Bedingungen seit Beginn der Aktion "Bike to work" nicht verbessert, sondern
verschlechtert. Als Reaktion auf den Anschlag auf die UN-Zentrale in Bagdad im August 2004
wurden Zufahrten und Eingänge zum Genfer UNO-Gelände festungsmäßig ausgebaut und die
Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Wer mit einem Fahrzeug auf das Gelände will, muss nach
der Ausweiskontrolle zwei Schranken passieren. Diese heben sich erst, wenn man mit einem
Gewicht von mindestens 200 Kilo vorfährt. Fahrradfahrer stehen daher oft vor
verschlossener Schranke und müssen warten, bis ein Auto kommt. An Wochenenden kann das
bis zu einer Viertelstunde dauern.
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