Mohn ist Afghanistans gefährlichster Feind
NATO-Tagung: Deutschland will nicht gegen die Taliban kämpfen
Kommentar von Andreas Zumach
Angela Merkel ist beim Nato-Gipfel in Riga nicht umgefallen, wie manche befürchtet und
andere gehofft hatten. Die Bundeskanzlerin hat dem massiven Druck der drei Bündnispartner
USA, Kanada und Großbritannien nicht nachgegeben: Es wird keine deutschen Kampftruppen
für den Süden Afghanistans geben. Das ist eine in jeder Hinsicht richtige Entscheidung.
Sie ist sachlich gut begründet und kein Ausdruck angeblicher "Feigheit" der
Deutschen oder der Angst vor dem Tod von Bundeswehrsoldaten und vor dem Widerstand der
Bevölkerung.
Eine dauerhafte Verlegung deutscher Truppenverbände aus dem Norden Afghanistans hätte
dort eine große Sicherheitslücke gerissen und die wichtige Wiederaufbauarbeit
gefährdet. Zugleich hätte selbst der Kampfeinsatz sämtlicher 2.700 Bundeswehrsoldaten
in Afghanistan den Krieg gegen die Taliban nicht entscheidend beeinflussen können. Denn
dieser Krieg im Süden ist nicht zu gewinnen, solange die Nato-Staaten nicht ernsthaft
bereit sind, etwas gegen den Mohnanbau zu unternehmen. Die Möglichkeit dazu hätten sie:
Viele Nato-Mitglieder gehören zu den einflussreichsten Akteuren in EU, UNO und anderen
mit Afghanistan befassten Institutionen.
Der Mohnanbau ist seit Beginn des Afghanistankrieges im Oktober 2001 auf mehr als die
doppelte Menge angewachsen. Das Drogengeschäft generiert Milliardeneinnahmen, mit denen
die Taliban, aber auch die regionalen Warlords unbegrenzt Waffen, Munition, Kämpfer und
Selbstmordattentäter kaufen und rekrutieren können, um deine funktionierende
Zentralregierung in Kabul und eine Stabilisierung des Landes zu verhindern. Es ist kein
Trost, dass einige dieser Warlords noch immer mit den USA verbündet sind. Wird der
Mohnanbau nicht bekämpft, wird auch der bislang noch "relativ sichere" Norden
Afghanistans über kurz oder lang zur Kriegszone werden. Die Erfolge beim Wiederaufbau
durch Deutschland und andere Länder würden dann bald zunichte gemacht. Damit wäre die
Nato in Afghanistan endgültig gescheitert.
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