Italiener auf dem Weg
Andreas Zumach
Genau drei Wochen nach dem Beschluss des UN-Sicherheitsrates zur Aufstockung der
Unifil-Truppe auf 15.000 Soldaten soll am Freitag das erste signifikante Kontingent im
südlibanesischen Hafen Tyrus eintreffen: fünf Schiffe mit 2.496 italienischen Soldaten,
die am Dienstag den Hafen von Triest verlassen haben. Davon sollen allerdings zunächst
lediglich 980 Soldaten tatsächlich an Land gehen. Die Stationierung der übrigen 1.516
italienischen Soldaten auf libanesischem Boden soll erst im November und Dezember
erfolgen.
Seit Verabschiedung der UN-Resolution 1701 am 11. August waren lediglich knapp 200
französische Pioniere in Südlibanon eingetroffen, die dort Minen räumen sowie
zerstörte Brücken und Straßen reparieren. Die UN hofft weiterhin, dass bis spätestens
Ende nächster Woche eine Aufstockung der Unifil um insgesamt 3.500 Soldaten gelingt, die
dann auch tatsächlich sofort im Südlibanon stationiert werden. Das erklärte der
Vizechef der Abteilung für Friedensoperationen (DPKO) in der New Yorker UNO-Zentrale,
Hedi Annabi, in der Nacht zum Dienstag auf einer Konferenz von Truppenstellerstaaten. Ob
dieses Zwischenziel erreicht wird, ist allerdings nach wie vor unklar. Bislang liegt der
UNO-Zentrale nur die feste Zusage Frankreichs vor, bis spätestens 15. September weitere
900 Soldaten in den Südlibanon zu entsenden. Die EU-Staaten Frankreich, Spanien, Italien,
Finnland und Deutschland hatten der UNO am letzten Freitag auf einer Konferenz die
Bereitstellung von 5.600 bis maximal 6.900 Boden-und Marinesoldaten in Aussicht gestellt.
Außer in Rom ist in allen anderen EU-Hauptstädten der konkrete Beschluss von Regierung
und Parlamenten, die der UNO in Aussicht gestellten Soldaten auch tatsächlich
bereitzustellen, von weiteren Klärungen der Einsatzregeln, Operationspläne und
Bewaffnung der Unifil abhängig.
Geklärt ist bislang lediglich, dass die Unifil-Soldaten prinzipiell eine
"defensive Rolle" spielen sowie immer nur auf Anforderung und in Unterstützung
der libanesischen Armee aktiv werden dürfen. Allerdings ist den Blauhelmsoldaten der
Einsatz der Schusswaffe nicht nur zur "Selbstverteidigung" erlaubt, sondern auch
zum "Schutz" libanesischer Zivilisten und Soldaten. Außerdem darf die Unifil
unter Einsatz von Waffengewalt gegen Behinderungen vorgehen, z. B. Straßenblockaden. Und
auch Waffen der Hisbollah oder anderer Milizen, auf die die Unifil-Soldaten
"zufällig" stoßen, dürfen sie "beschlagnahmen". Die von Israel und
auch von den USA geforderte "aktive Rolle" der Unifil bei der Entwaffnung der
Hisbollah-Miliz wird es laut den bislang insbesondere zwischen potenziellen
Truppenstellern aus dem Bereich der EU vereinbarten Einsatzregeln definitiv nicht geben.
Auch ist wegen des Widerspruchs der Regierungen Syriens und Libanons keine Stationierung
von Unifil-Soldaten entlang der Grenze zwischen beiden Ländern vorgesehen, über die
bislang hauptsächlich der Waffennachschub für die Hisbollah-Milizen erfolgte.
Die endgültige Klärung der noch offenen Fragen zu Einsatzregeln und Bewaffnung, für
die das DPKO gestern Vorschläge unterbreitete, soll noch im Laufe dieser Woche auf
weiteren Truppenstellerkonferenzen in der New Yorker UNO-Zentrale erfolgen. Dann muss die
UNO auch entscheiden, ob sie das Angebot Indonesiens, Malaysias, Bangladeschs und Nepals
zur Entsendung von insgesamt über 4.000 Soldaten annimmt oder ob sie dem Einspruch der
israelischen Regierung gegen Truppen aus diesen Ländern stattgibt. Israel lehnt den
Einsatz ab, weil es mit diesen Staaten keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Die
Türkei macht von dieser UN-Entscheidung wesentlich abhängig, ob sie Truppen für die
Unifil zur Verfügung stellt.
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