Teheran erwägt den Einsatz der Ölwaffe
Andreas Zumach
Der UN-Sicherheitsrat beschließt im Atomstreit einstimmig Sanktionen gegen die
iranische Führung. Die Bush-Administration begrüßt die "Demütigung" der
Regierung in Teheran. Im Februar geht es in die nächste Runde.
Iran schließt eine Drosselung seiner Ölexporte in Reaktion auf die am vergangenen
Wochenende verhängten Sanktionen des UN-Sicherheitsrates nicht mehr aus. "Wenn
nötig, wird das Land jede Waffe nutzen, um sich selbst zu schützen", erklärte
Öl-Minister Kasem Wasiri Hameneh gestern der Nachrichtenagentur Fars auf die Frage, ob
Teheran Öl als Waffe einsetzen würde. Nach Angaben von Außenminister Manuchehr Mottaki
sollen in der Nuklearanlage Natans schon "bald" 3.000 Zentrifugen zur
Urananreicherung "betriebsbereit" sein.
Regierung und Parlament in Teheran berieten gestern über weitere Reaktionen auf die
Entscheidung des Sicherheitsrates. Nach fast dreimonatigen Verhandlungen hatte das oberste
UN-Gremium am Samstag in einer mit 15:0 Stimmen verabschiedeten Resolution allen
UN-Mitgliedstaaten untersagt, Bauteile und Technologie an Iran zu liefern, die für das
legitime zivile Nuklearprogramm oder für die im Westen vermuteten Bestrebungen Teherans
zur Entwicklung von Atomwaffen genutzt werden können. Auch Zulieferung für das
ballistische Raketenprogramm wurde untersagt. Für 10 Unternehmen sowie 12 Personen,
die an dem Nuklear- oder dem Raketenprogramm beteiligt sind, und die in der Resolution
namentlich aufgeführt werden, verfügte der Sicherheitsrat die Schließung sämtlicher
Auslandskonten. Internationale Reisen der 12 Personen sollen von den UN-Mitgliedstaaten
"mit großer Wachsamkeit" beobachtet werden, heißt es in der Resolution. Die
Führung in Teheran wird aufgefordert, "sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit
der Anreicherung von Uran und der Wiederaufarbeitung von Plutonium" sowie den Bau der
Schwerwasseranlage in Arak innerhalb von spätestens 60 Tagen einzustellen, zur
"uneingeschränkten Zusammenarbeit" mit der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEO) in Wien zurückzukehren, und das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (das
erweiterte Kontrollrechte durch die IAEO vorsieht) durch das iranische Parlament
ratifizieren zu lassen.
Am 21. Februar soll die IAEO dem Sicherheitsrat darüber berichten, ob Teheran die
Forderungen der Resolution erfüllt hat. Für den Fall, dass dieser Bericht negativ
ausfällt, behält sich der Sicherheitsrat die Option vor, weitergehende,
nichtmilitärische Sanktionen zu verhängen.
Die einstimmige Verabschiedung der Resolution wurde möglich, nachdem die Vetomächte
Russland und China einen ursprünglich von den drei westlichen Vetomächten USA,
Frankreich und Großbritannien sowie von Deutschland erarbeiteten Resolutionsentwurf
erheblich entschärft hatten. Nach ihm hätte Russland seine Arbeiten zum Bau des ersten
iranischen Atomkraftwerks in Buschehr einstellen müssen; zudem sah er ein striktes
internationales Reiseverbot für die in der verabschiedeten Resolution aufgeführten 12
Personen vor und enthielt eine Liste mit weit mehr als 10 Unternehmen, deren
Auslandskonten eingefroren werden sollen.
Der stellvertretende US-Außenminister Nicholas Burns begrüßte die Resolution als
einen "demütigenden Akt" für Iran. Burns zeigte sich zuversichtlich, dass die
Bush-Administration jetzt andere Regierungen dazu bewegen können, zusätzliche bilaterale
"Sanktions- und Strafmaßnahmen" gegen Teheran zu ergreifen.
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