Hinten anstellen bitte
Andreas Zumach
Tamiflu-Hersteller Roche wird trotz Ausbaus seiner Produktionskapazitäten die zu
erwartenden Neubestellungen aus Deutschland kaum befriedigen können.
Wird es in Deutschland ausreichend Medikamente gegen die Vogelgrippe geben? Die
Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer hat Ende letzter Woche beschlossen,
künftig für 20 Prozent der 84 Millionen EinwohnerInnen Deutschlands die beiden
Antigrippemittel Tamiflu und Relenza vorrätig zu halten. Derzeit lagern in Deutschland
Vorräte der beiden Medikamente für 8 Prozent der Gesamtbevölkerung - wobei zwischen den
Versorgungsniveaus in den einzelnen Bundesländern bislang noch erhebliche Unterschiede
bestehen.
Zur Umsetzung des Beschlusses der Gesundheitsministerkonferenz müsste Deutschland zehn
Millionen Therapieeinheiten der beiden Medikamente im derzeitigen Marktwert von rund 180
Millionen Euro ordern. Davon würden - zumindest wenn man die Erfahrungen der letzten
zwölf Monate zugrunde legt - etwa acht Millionen Bestellungen an den Schweizer
Tamiflu-Produzenten Roche gehen und rund zwei Millionen an den Relenza-Hersteller Glaxco
in den USA.
Der Roche-Konzern in Basel will sich zwar nicht festlegen, bis wann er acht Millionen
neu bestellte Therapieeinheiten Tamiflu nach Deutschland liefern könnte. Die Erklärung
des Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Gerry Kley (Sachsen-Anhalt), vor einem
Jahr hätten die Herstellerfirmen noch Lieferzeiten bis 2.010 oder gar 2.012 genannt,
dementiert ein Sprecher des Konzerns allerdings als "völligen Unsinn". Infolge
einer Verzehnfachung seiner Produktionskapazitäten seit 2.003 sei Roche in der Lage, bis
Ende dieses Jahres 300 Millionen Therapieeinheiten Tamiflu herzustellen. Diese
Jahresproduktion 2006 ist allerdings bereits abgedeckt durch Bestellungen aus rund 60
Ländern. Deswegen bemüht sich der Roche-Konzern, die weltweite Produktionsmenge weiter
zu steigern: durch Auslagerung einzelner Produktionsschritte sowie durch die Vergabe von
Sublizenzen - zunächst an zwei Firmen in Indien und im chinesischen Schanghai. Zudem
gelang es Roche, den Herstellungszeitraum für Tamiflu von ursprünglich neun bis zwölf
Monaten auf sechs Monate zu verkürzen. Auf jeden Fall - so der Konzernsprecher - gilt:
Mit einer neuen Order für Tamiflu wird sich Deutschland - wie alle anderen Besteller auch
- hinten anstellen müssen. Denn die Reihenfolge für die Produktion und Auslieferung von
Tamiflu wird nach Angaben des Konzerns ausschließlich durch das Eingangsdatum der
Bestellungen bestimmt.
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