TAZ
27. Februar 2006


Hinten anstellen bitte

Andreas Zumach

Tamiflu-Hersteller Roche wird trotz Ausbaus seiner Produktionskapazitäten die zu erwartenden Neubestellungen aus Deutschland kaum befriedigen können.

Wird es in Deutschland ausreichend Medikamente gegen die Vogelgrippe geben? Die Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer hat Ende letzter Woche beschlossen, künftig für 20 Prozent der 84 Millionen EinwohnerInnen Deutschlands die beiden Antigrippemittel Tamiflu und Relenza vorrätig zu halten. Derzeit lagern in Deutschland Vorräte der beiden Medikamente für 8 Prozent der Gesamtbevölkerung - wobei zwischen den Versorgungsniveaus in den einzelnen Bundesländern bislang noch erhebliche Unterschiede bestehen.

Zur Umsetzung des Beschlusses der Gesundheitsministerkonferenz müsste Deutschland zehn Millionen Therapieeinheiten der beiden Medikamente im derzeitigen Marktwert von rund 180 Millionen Euro ordern. Davon würden - zumindest wenn man die Erfahrungen der letzten zwölf Monate zugrunde legt - etwa acht Millionen Bestellungen an den Schweizer Tamiflu-Produzenten Roche gehen und rund zwei Millionen an den Relenza-Hersteller Glaxco in den USA.

Der Roche-Konzern in Basel will sich zwar nicht festlegen, bis wann er acht Millionen neu bestellte Therapieeinheiten Tamiflu nach Deutschland liefern könnte. Die Erklärung des Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, Gerry Kley (Sachsen-Anhalt), vor einem Jahr hätten die Herstellerfirmen noch Lieferzeiten bis 2.010 oder gar 2.012 genannt, dementiert ein Sprecher des Konzerns allerdings als "völligen Unsinn". Infolge einer Verzehnfachung seiner Produktionskapazitäten seit 2.003 sei Roche in der Lage, bis Ende dieses Jahres 300 Millionen Therapieeinheiten Tamiflu herzustellen. Diese Jahresproduktion 2006 ist allerdings bereits abgedeckt durch Bestellungen aus rund 60 Ländern. Deswegen bemüht sich der Roche-Konzern, die weltweite Produktionsmenge weiter zu steigern: durch Auslagerung einzelner Produktionsschritte sowie durch die Vergabe von Sublizenzen - zunächst an zwei Firmen in Indien und im chinesischen Schanghai. Zudem gelang es Roche, den Herstellungszeitraum für Tamiflu von ursprünglich neun bis zwölf Monaten auf sechs Monate zu verkürzen. Auf jeden Fall - so der Konzernsprecher - gilt: Mit einer neuen Order für Tamiflu wird sich Deutschland - wie alle anderen Besteller auch - hinten anstellen müssen. Denn die Reihenfolge für die Produktion und Auslieferung von Tamiflu wird nach Angaben des Konzerns ausschließlich durch das Eingangsdatum der Bestellungen bestimmt.