Blochers Angstpropaganda hat gewirkt
Das Schweizer Asyl-Referendum ist ein Erfolg des Rechtspopulismus
Kommentar von Andreas Zumach
Der vergangene Sonntag wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Schweiz eingehen.
Deren Politiker beschwören zwar gerne die "humanitäre Tradition" ihres Landes.
Doch von dieser Tradition hat sich eine große Mehrheit der Eidgenossen nun verabschiedet,
indem sie für die restriktivsten Asyl- und Ausländergesetze in Europa stimmte.
Diese Gesetze verstoßen nicht nur gegen die Flüchtlings- und die
Kinderschutzkonventionen der UNO, die die Schweiz ratifiziert hat, sondern auch gegen die
Europäische Menschenrechtskonvention: Das hat auch das UNO-Hochkommissariat für
Flüchtlinge in Genf bereits in seltener Deutlichkeit festgestellt. Die große Zustimmung
der Schweizer zu diesen Verschärfungen vermag auf den ersten Blick zu erstaunen. Denn die
Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber, die in den letzten Jahren überhaupt noch die
Nachbarstaaten der Schweiz erreicht haben, ist drastisch zurückgegangen; das liegt vor
allem an der Abschottung der EU-Außengrenzen. Aber auch die Zahl der anerkannten
Flüchtlinge und Asylanten, die in der Schweiz leben, ist inzwischen wieder auf das
niedrige Niveau der 80er-Jahre gefallen; infolge der innerjugoslawischen Kriege war sie in
den 90er-Jahren enorm angestiegen. Zudem weist die Schweiz im europäischen Vergleich eher
wenig Arbeitslosigkeit auf und verzeichnet seit Monaten einen deutlichen Aufschwung beim
Wirtschaftswachstum.
Doch all diese und andere Tatsachen haben bei der Abstimmung kaum eine Rolle gespielt.
Die Entscheidung ist in erster Linie das zweifelhafte Verdienst von Justizminister
Christoph Blocher, dem übelsten Brandstifter mit Biedermannmaske in der Schweizer
Politik. Schon seit vielen Jahren trommelt der rechtpopulistische Chefideologe der
Schweizer Volkspartei unermüdlich gegen "kriminelle Ausländer" und den
angeblich massenhaften Missbrauch von Sozialleistungen durch "Scheinasylanten";
zu seinem Instrumentarium gehören offen fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen
sowie dreiste Lügen selbst gegenüber dem Parlament. Im Abstimmungskampf der letzten
Wochen nutzte Blocher die Nachrichten und Fernsehbilder von schwarzafrikanischen
Bootsflüchtlingen an Spaniens Küsten für seine Angstpropaganda vor einer angeblich
drohenden Massenimmigration in der Schweiz.
Nun steht zu befürchten, dass die Schweiz, die auf vielen Gebieten positive und
nachahmenswerte Beispiele gesetzt hat, in anderen europäischen Ländern zum schlechten
Vorbild für eine weitere Verschärfung der Asyl- und Ausländerpolitik wird.
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