Die UNO streitet weiter über den Iran
Der Sicherheitsrat berät heute erneut über einen westlichen Resolutionsentwurf zum
Atomprogramm der Regierung in Teheran. Militärische Zwangsmaßnahmen sind zunächst nicht
vorgesehen. Russland und China sind dagegen.
Andreas Zumach
Im Schatten des Krieges zwischen Israel und den Hisbollah-Milizen im Libanon setzen die
15 Mitgliedsstaaten des UNO-Sicherheitsrates in New York heute ihre informellen Beratungen
über eine völkerrechtlich verbindliche Resolution zum iranischen Atomprogramm fort. Ende
vergangener Woche hatte das EU-Trio - die beiden ständigen Ratsmitglieder Frankreich und
Großbritannien sowie Deutschland - einen neuen Resolutionsentwurf vorgelegt. Er basiert
auf Kapitel sieben der UNO-Charta, das bei einer vom Sicherheitsrat festgestellten
"Bedrohung" oder dem "Bruch des Friedens und der internationalen
Sicherheit" durch ein UNO-Mitglied die Verhängung von Zwangsmaßnahmen gegen dieses
Land möglich macht.
In dem von den USA unterstützten Resolutionsentwurf des EU-Trios wird Iran
aufgefordert, sämtliche Aktivitäten zur Urananreicherung sowie den Bau der
Schwerwasseranlage in Arak spätestens "bis zum August" einzustellen. Für den
Fall, dass Teheran dieser Aufforderung nicht folgt, wird in dem Entwurf mit der
Verhängung politischer und wirtschaftlicher Sanktionen nach Artikel 40 und 41 der
UNO-Charta gedroht. Militärische Zwangsmaßnahmen (Artikel 42) sind zunächst nicht
vorgesehen.
Der Entwurf stößt weiterhin auf die entschiedene Ablehnung Chinas sowie erhebliche
Bedenken Russlands. Die Regierung Putin hat zwar in den letzten Tagen ihre wachsende
Ungeduld darüber zum Ausdruck gebracht, dass die iranische Regierung bislang nicht auf
das Verhandlungsangebot der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates und
Deutschland an Teheran von Anfang Juni reagiert hat. Darin wird die Aufnahme von
Verhandlungen über die wirtschaftliche, nukleartechnische und sicherheitspolitische
Kooperation mit Iran davon abhängig gemacht, dass Teheran zuvor alle Aktivitäten zur
Urananreicherung und den Bau der Schwerwasseranlage "suspendiert".
Die iranische Regierung hat dies bislang abgelehnt und erklärt, dass ihre offizielle
Reaktion auf das Angebot nicht vor dem 22. August erfolgen werde. Zwar kritisieren auch
russische Diplomaten die "inakzeptable Hinhaltetaktik" Teherans. Falls der Iran
auch nach einer Verabschiedung des Resolutionsentwurfes eine Suspendierung seiner
Nuklearaktivitäten ablehnt, befürchten sie, dass es zu einer auch von Moskau nicht mehr
aufhaltbaren politischen Eskalation bis hin zu militärischen Zwangsmaßnahmen kommt.
Derartige Maßnahmen lehnt Russland ebenso wie China entschieden ab.
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