Erstaunlich langer und detaillierter Prüfbedarf
Die iranische Antwort im Atomstreit könnte die bisher gezeigte Einigkeit im
UN-Sicherheitsrat weitgehend aufbrechen
Andreas Zumach
Das Dokument, das Irans Chefunterhändler für Nuklearfragen Ali Laridschani am
Dienstag etwa um 15 Uhr in Teheran den Botschaftern der fünf ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrates und Deutschlands übergab, ist 21 Seiten lang. Es ist nicht sehr eng
bedruckt, nicht in Farsi, sondern in Englisch gehalten und bedurfte daher keiner
Übersetzung mehr. In einer guten Stunde lässt sich das Dokument lesen und auch
verstehen. Zumal von Experten, die seit langem mit den Diskussionen um das iranische
Atomprogramm vertraut sind. Doch die Regierungen der sechs Staaten waren gestern
Nachmittag immer noch "mit der eingehenden Prüfung" des "sehr langen und
komplizierten Dokuments" befasst. Mit Stellungnahmen sei frühestens heute zu
rechnen, hieß es.
Hinter der auffälligen Zurückhaltung verbirgt sich das Dilemma der fünf ständigen
Mitglieder des Sicherheitsrates. Die Einigkeit, mit der die fünf sowie neun der zehn
nichtständigen Ratsmitglieder noch am 31. Juli von Teheran per Resolution mit
Sanktionsandrohung die Aussetzung aller Aktivitäten zur Urananreicherung gefordert
hatten, existiert nicht mehr, nachdem Teheran diese Forderung abgelehnt hat. Zur Umsetzung
der Sanktionsdrohung wären zwar die drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich
sowie Deutschland bereit. Doch haben China und auch Russland klar signalisiert, dass sie
eine Sanktionsresolution des Sicherheitsrates nicht mittragen werden. Dies zumal, da das
Nein Teherans zur Aussetzung der Urananreicherung bis zum 31. August eingepackt ist in ein
umfangreiches Verhandlungsangebot. Ein Angebot, dass zum einen die Möglichkeit zu
einvernehmlich vereinbarten Einschränkungen nuklearer Aktivitäten auf iranischem
Territorium offen lässt. Darüber hinaus macht Teheran auch detaillierte Vorschläge für
eine internationale Kontrolle und Überwachung seiner Atomanlagen, deren Umsetzung eine
geheime Entwicklung von Atomwaffen im Iran verlässlich ausschließen könnte. Peking und
Moskau sehen daher durchaus noch die Möglichkeit zu einer "politischen" Lösung
des Streits um das iranische Atomprogramm. Nicht nur die britische Regierung erwartet
"harte" Diskussionen im Sicherheitsrat.
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