Eine Hintertür
Andreas Zumach
Nachdem die iranische Regierung gestern die vom UNO-Sicherheitsrat verlangte
"vollständige Aussetzung aller Aktivitäten zur Urananreicherung und zur
Wiederaufarbeitung von Plutonium" bis spätestens zum 31. August offiziell abgelehnt
hat, wollen die drei westlichen ständigen Ratsmitglieder, USA, Großbritannien und
Frankreich, sowie Deutschland sich jetzt für die baldige Verhängung von UNO-Sanktionen
gegen Teheran einsetzen.
Auf dieses Vorgehen verständigten sich hochrangige Vertreter der Außenministerien in
Washington, London, Paris und Berlin in Erwartung der negativen Reaktion aus Teheran
bereits am Montag in einer Telefonkonferenz.
Wie die taz bereits in ihrer gestrigen Ausgabe berichtete, enthält die Antwort der
iranischen Führung eine Hintertür. In dem Schreiben, das Teherans Chefunterhändler für
Nuklearfragen, Ali Laridschani, gestern Nachmittag den Gesandten der fünf ständigen
Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands übergab, wird lediglich die vom Sicherheitsrat
ultimativ und unter Androhung von Sanktionen verlangte Aussetzung der umstrittenen
Nuklearaktivitäten kategorisch abgelehnt. Die Aussetzung ist die "Vorbedingung für
Verhandlungen" über ein Paket mit wirtschaftlichen und nukleartechnischen Anreizen,
die Teheran von den fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern und Deutschland am 6. Juni
in Aussicht gestellt worden war.
Die iranische Führung ist aber durchaus bereit, über ein "Einfrieren" der
Urananreicherung und der Wiederaufarbeitung "zu verhandeln", wahlweise auch
über Alternativen zur Durchführung dieser Aktivitäten auf iranischem Territorium.
Teheran sei bereit, mit "ernsthaften Verhandlungen" über diese Fragen und über
das Anreizpaket vom 6. Juni schon am heutigen Mittwoch zu beginnen, wie Chefunterhändler
Laridschani gestern erklärte.
Doch die Regierungen in Washington, Paris, London und Paris sehen in der Antwort aus
Teheran lediglich den erneuten Versuch, Zeit zu schinden, um das Nuklearprogramm Irans
weiter voranzutreiben. Dieses Programm dient nach fester Überzeugung der Regierungen der
USA und Israels nicht "ausschließlich der Energiegewinnung", wie die iranische
Führung in ihrem Antwortschreiben erneut beteuert, sondern in erster Linie der
Entwicklung atomarer Waffen; die Regierungen in London, Paris und Berlin hegen zumindest
einen entsprechenden Verdacht.
Für den Fall, dass Iran die Urananreicherung und die Wiederaufarbeitung von Plutonium
nicht spätestens am 31. August aussetzen sollte, sieht die UNO-Resolution 1696 vom 31.
Juli vor, dass der Sicherheitsrat auf Grundlage von Artikel 41 der UNO-Charta
"geeignete Maßnahmen" gegen Teheran ergreift; Artikel 41 ermöglicht die
Verhängung von politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Sanktionen. Militärische
Maßnahmen nach Artikel 42 bleiben vorerst ausgeschlossen.
US-Präsident George Bush forderte bereits am Montag auf einer Pressekonferenz, der
Sicherheitsrat solle unmittelbar nach Auslaufen der Teheran gesetzten Frist am 31. August
zusammentreten und in einem ersten Schritt "starke politische und finanzielle
Sanktionen" gegen Iran beschließen. Es müsse "verhindert werden, dass die
iranische Führung dem Sicherheitsrat eine lange Nase dreht".
Derzeit wird in Washington, London, Paris und Berlin über Einreiseverbote für
iranische Regierungsvertreter und das Einfrieren ihrer ausländischen Geldanlagen
diskutiert.
Spätere denkbare Schritte könnten weitreichende wirtschaftliche Sanktionen sowie eine
diplomatische Isolierung des Landes sein.
Deutlich gegen solche Sanktionen aber haben sich bislang China und Russland - die
übrigen beiden ständigen Vetomächte im Sicherheitsrat - ausgesprochen
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