Hoffnungszeichen aus London
Atomstreit: Grossbritannien könnte Krieg mit Iran verhindern
Kommentar von Andreas Zumach
Steigt Großbritannien aus der Konflikteskalation um das iranische Atomprogramm aus?
Just zum dritten Jahrestag des mit den USA gemeinsam betriebenen Irakkrieges? Und bevor
der federführend von der Bush-Administration betriebene Konfrontationskurs gegen Teheran
zum nächsten Krieg führt? Hinweise britischer UN-Diplomaten machen zumindest Hoffnung
auf diesen Akt der Emanzipation Tony Blairs nach Jahren verhängnisvoller Vasallentreue zu
George W. Bush.
Danach werde der Vertreter Großbritanniens beim heutigen Treffen hochrangiger
Diplomaten der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sowie Deutschlands in
New York vorschlagen, dass sich die USA endlich an direkten Atomprogrammverhandlungen mit
Teheran beteiligen - und Iran im Rahmen dieser Verhandlungen auch militärische
Sicherheitsgarantien anbieten. Zu dieser Initiative dürfte auch die anhaltende massive
Kritik an der völlig gescheiterten Irakpolitik von Premierminister Blair beigetragen
haben. Nirgends demonstrierten zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns mehr Menschen als
in London.
Der britische Vorschlag würde mit Sicherheit auf Unterstützung nicht nur Russlands
und Chinas, sondern auch des EU-Partners Deutschland stoßen. Die Regierung Merkel hat
dies in den letzten zwei Wochen hinter den Kulissen und indirekt auch öffentlich mehrfach
signalisiert. Auch Frankreich, das sich - ganz anders als im Falle Irak - im Konflikt um
das iranische Atomprogramm bislang eng an die Linie Washingtons hielt, würde sich dem
britischen Vorschlag mit Sicherheit nicht widersetzen. Zudem wäre die Initiative aus
London eine Unterstützung für die moderateren Kräfte innerhalb der Bush-Administration,
die auf eine Überprüfung und Korrektur der bisherigen Iranpolitik der Vereinigten
Staaten drängen.
Der 20. März 2006 könnte in die Geschichte eingehen: nicht nur als dritter Jahrestag
des Irakkrieges, sondern als Tag, an dem die Deeskalation des Irankonflikts eingeleitet
wurde. Eines Konflikts, dessen militärische Eskalation noch weit verhängnisvollere
Folgen hätte als im Irak. Und das nicht nur für die direkt Betroffenen und Beteiligten,
sondern auch für den Rest der Welt.
|