Eine kleine Truppe
Andreas Zumach
Die Bemühungen um die Verstärkung der UNO-Truppe Unifil im Südlibanon von derzeit
2.000 auf 15.000 Soldaten kommen weiterhin nur schleppend voran. Die Widersprüche und
Unklarheiten der Resolution 1701 zu Mandat und Einsatzregeln einer verstärkten Unifil
bewogen die französische Regierung, einen Rückzieher zu machen. Paris hatte den
Vereinten Nationen noch am Mittwoch die Bereitschaft zur Führung der UN-Truppe sowie zur
Entsendung von bis zu 3.500 zusätzlichen Soldaten ab Ende nächster Woche erklärt. In
der New Yorker UNO-Zentrale verstärkt sich nun die Einschätzung, dass der Sicherheitsrat
zunächst mit einer zweiten Resolution Mandat und Einsatzregeln klären muss, bevor
tatsächlich nennenswerte Kontingente im Südlibanon stationiert werden können.
An einer ersten Konferenz potenzieller Truppensteller unter Leitung des
stellvertretenden UNO-Generalsekretärs Mark Malloch Brown nahmen in der Nacht zum Freitag
zwar VertreterInnen von 49 Staaten teil, von diesen meldeten sich allerdings während der
dreistündigen Sitzung hinter verschlossenen Türen nur 23 zu Wort. Konkrete und
verbindliche Angebote machten dabei lediglich fünf Staaten: Bangladesch offerierte 2.000
Armeesoldaten für die Unifil, Indien, Nepal, Indonesien und Malaysia jeweils 500 bis
1.000. Ein Grund - nicht der einzige - dafür ist, dass Soldaten dieser Länder als
Blauhelme deutlich mehr Sold erhalten. Bangladesch liegt bereits seit Jahren dicht hinter
Pakistan an der Spitze der Länder, die die meisten Soldaten und Polizisten für
UN-Missionen abstellen. Mit einigem Abstand folgen Indien, Nigeria, Ghana und Nepal.
Staaten der "westlichen Regionalgruppe" der UNO sind auf den ersten zehn
Plätzen dieser Liste gar nicht vertreten.
Diese zeigten sich auch in New York sehr zurückhaltend. Lediglich vier Länder machten
überhaupt konkrete, allerdings noch nicht verbindliche Angebote: Dänemark (Schiffe für
Seepatrouillen), England (zwei Awacs-Flugzeuge, sechs Jaguar-Kampfjets, eine Fregatte
sowie die Nutzung eines britischen Stützpunkts auf Zypern), Deutschland sowie Frankreich.
Paris will zunächst lediglich 200 Pioniere in den Südlibanon schicken. Sie sollen
zerstörte Brücken und Straßen reparieren, um spätere Truppenstationierungen zu
erleichtern. Zudem will Frankreich seine seit Beginn des Krieges vor der libanesischen
Küste stationierten 1.700 Marinesoldaten zunächst vor Ort belassen. Allerdings sollen
diese Soldaten weiter unter nationalem Oberkommando bleiben.
Die vier EU-Länder machen die Einlösung ihrer konkreten Angebote an die UN jedoch von
einer für sie befriedigenden Klärung von Mandat und Einsatzregeln für die UNO-Truppe
abhängig. Diese Bedingung gilt auch für die anderen 14 Staaten, die bei der
Truppenstellerkonferenz zunächst nur ihre grundsätzliche, noch nicht mit konkreten
Personalstärken oder Waffen spezifizierte Bereitschaft zur Beteiligung an der UN-Truppe
erklärten.
Malloch Brown zeigte sich dennoch "vorsichtig optimistisch", dass in
"etwa zehn Tagen" weitere 3.500 UNO-Soldaten im Südlibanon stationiert sind.
Auftrag dieser Truppe sei "nicht die umfassende Entwaffnung der Hisbollah-Miliz,
sondern die Überwachung einer politischen Vereinbarung, mit der sich die libanesische
Regierung und die Hisbollah zur Entwaffnung bereit erklärt haben". Diese Frage
dürfte in der kommenden Woche wahrscheinlich eine zweite Truppenstellerkonferenz sowie
den Sicherheitsrat beschäftigen.
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