Keine UN-Soldaten in Sicht
Kommentar von Andreas Zumach
Jetzt soll also die UNO ran, um den heißen Konflikt in Nahost zu beenden. Darauf haben
sich Generalsekretär Kofi Annan und die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats beim
G-8-Gipfel verständigt - zumindest offiziell.
Die EU signalisiert Unterstützung für diesen Plan. Die bisherigen Vorschläge zur
Stationierung einer internationalen "Beobachtungsmission" im libanesischen
Grenzgebiet zu Israel greifen allerdings viel zu kurz und sind daher wenig glaubwürdig.
Eine UNO-Beobachtertruppe gibt es im südlichen Libanon schon seit vielen Jahren. Doch
wann immer sie etwas wirklich Relevantes beobachtet und durch Videoaufnahmen
beweiskräftig dokumentiert hatte - wie zum Beispiel 1994 den systematischen Beschuss
eines palästinensischen Flüchtlingslagers durch die israelische Luftwaffe -, mussten
diese Erkenntnisse und Beweise unter Verschluss bleiben, zumeist auf Druck des
Sicherheitsratsmitglieds USA. Als das Video der UNO-Soldaten seinerzeit dennoch an die
Öffentlichkeit geriet, verhinderte Washington zur "Strafe" eine zweite Amtszeit
von Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali.
Zur Deeskalation des aktuellen Konflikts erforderlich wäre die schnelle Stationierung
einer robusten UNO-Truppe nicht nur im Südlibanon, sondern beiderseits der
libanesisch-israelischen Grenze. Auftrag dieser Truppe müsste es nicht nur sein, die
Raketenarsenale der Hisbollah zu kontrollieren und den weiteren Abschuss dieser Raketen
auf Israel zu unterbinden, sondern auch weitere militärische Vorstöße und Angriffe der
israelischen Streitkräfte gegen libanesisches Territorium zu verhindern. Doch der
Vorschlag für ein entsprechendes Mandat - sollte er von den EU-Mitgliedern im
UNO-Sicherheitsrat oder von Russland überhaupt ernsthaft unterbreitet werden - dürfte
nicht nur in Jerusalem, sondern auch in Washington auf erhebliche Ablehnung stoßen.
So wird die Präsenz der UNO im nahöstlichen Konfliktgebiet in den nächsten Tagen und
Wochen wahrscheinlich nicht verstärkt, sondern eher reduziert werden. Der Abzug der
humanitären UNO-Organisationen aus Südlibanon wegen der Gefährdung ihrer Mitarbeiter
durch israelische Luftangriffe hat bereits begonnen.
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