Die UNO-Truppe muss sofort her
Kommentar von Andreas Zumach
Wird die Waffenruhe im Libanon halten? Es gibt wahrhaft viele Gründe für tiefe
Skepsis. Einige liegen in den zahlreichen Unklarheiten, Widersprüchen und
Unzulänglichkeiten der UNO-Resolution:
Sollen die Hisbollah-Milizen im Libanon entwaffnet werden? Wie verträgt sich die vom
Sicherheitsrat angeordnete "vollständige Einstellung aller Feindseligkeiten"
mit der implizit erteilten Erlaubnis zur Fortsetzung so genannter "defensiver"
Militäroperationen durch Israel? Und welche Befugnisse gegenüber den Konfliktparteien
soll die aufgestockte UNO-Truppe Unifil haben?
Doch alle Skepsis und Kritik nützen nichts. Der Text dieser UNO-Resolution spiegelt
exakt die real existierenden Interessengegensätze und Machtverhältnisse im Nahen Osten
und in der UNO wider. Eine bessere Resolution ist nicht zu haben. Daher sind diese
Resolution und die auf ihr basierende Waffenruhe derzeit die einzige und beste aller
schlechten Chancen für einen dauerhaften Waffenstillstand. Und vielleicht lässt sich nun
sogar der Konflikt entschärfen.
Die Waffenruhe wird, wenn überhaupt, nur halten, wenn innerhalb der nächsten Tage -
nicht Wochen - eine UNO-Truppe im Südlibanon und an der Grenze zu Israel stationiert
wird, die robust genug mandatiert und ausgestattet ist, um beide Konfliktparteien
zumindest von aktiven Kampfhandlungen abzuhalten. Nur das wird die nun dringend nötige
Deeskalation bringen.
Alle weiteren Fragen - darunter die einer Entwaffnung der Hisbollah - werden sich erst
danach klären lassen. Dabei würden die Chancen auf eine Kooperation der Hisbollah mit
der Unifil in dem Maße steigen, in dem sich der Westen endlich für eine gerechte Lösung
des israelisch-palästinensischen Konflikts engagiert.
Wer aber jetzt in Berlin und anderen Hauptstädten darauf dringt, dass vor einer
Entsendung von Soldaten zunächst die Unklarheiten der UNO-Resolution in Bezug auf die
Befugnisse der UNO-Truppe geklärt werden, trägt dazu bei, dass diese Truppe überhaupt
nicht zustande kommt - oder erst dann entsandt wird, wenn es zu spät ist.
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