Bush kann Kims Bombe entschärfen
Kommentar von Andreas Zumach
Der Vorschlagskatalog für UNO-Sanktionen gegen Nordkorea - von Washington formuliert
und von Tokio noch verschärft - hat wenig Kraft. Höchst unwahrscheinlich ist, dass die
Aktivitäten überhaupt noch stattfinden, die jetzt durch Sanktionen und
Überwachungsmaßnahmen unterbunden werden sollen. Pjöngjang dürfte kaum mehr auf
ausländische Zulieferungen angewiesen sein, um atomare Massenvernichtungswaffen
herzustellen.
Das Land konnte seit Anfang der 1980er-Jahre in seinen mit sowjetischer Hilfe gebauten
Atomreaktoren das erforderliche waffenfähige Plutonium erbrüten. Es erhielt vom
US-Verbündeten Pakistan die Zentrifugen zur Urananreicherung sowie Zünder für atomare
Testexplosionen. Und aus Moskau und Peking kamen Raketen und zugehörige Technologie, um
die Sprengköpfe über weite Distanzen befördern zu können. Was dem Machthaber Kim Jong
Il jetzt möglicherweise noch fehlt, kann sich das Land auf dem internationalen
Schwarzmarkt beschaffen. Und der lässt sich kaum kontrollieren oder unterbinden, sei es
mit oder ohne Verbote der UNO.
Doch selbst wenn Sanktionen noch die eine oder andere atomwaffenrelevante Lieferung an
Nordkorea verhindern würden: Die Auflagen brächten die Regierung in Pjöngjang nicht zu
der geforderten politischen Kurskorrektur. Weder wäre das Regime zur Aufgabe des
Nuklearprogramms bereit noch zum Baustopp für ballistische Raketen. Im Gegenteil: Die
Verschärfung des Drucks durch einen neuerlichen Sanktionsbeschluss des
UNO-Sicherheitsrates wird nur eine weitere Verhärtung in Pjöngjang bewirken.
Dieser Effekt war auch nach den Resolutionen vom Juli dieses Jahres zu erkennen, mit
denen der UNO-Sicherheitsrat auf die nordkoreanischen Raketentests reagierte. Ebenso wie
nach allen bilateralen Sanktionen, die die Vereinigten Staaten, Japan und andere Länder
gegen Nordkorea verhängt haben. Eine Chance für die Deeskalation des Konflikts und für
die Rückkehr Nordkoreas an den Verhandlungstisch wird es nur geben, wenn US-Präsident
George Bush zur Politik seines Vorgängers Bill Clinton zurückkehrt und Pjöngjang
verlässliche Nichtangriffsgarantien gibt.
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