Schwerer Schlag gegen den Sperrvertrag
Die Welt ist machtlos gegenüber Nordkoreas Atomwaffentest
Kommentar von Andreas Zumach
Erschreckend hilflos sind die offiziellen Reaktionen aus westlichen Hauptstädten auf
die atomare Testexplosion Nordkoreas. Es gibt allerhand Verurteilungen, Appelle an die
Vernunft des Regimes in Pjönjang, auch Forderungen nach mehr Druck auf Nordkorea und gar
die Androhung von Sanktionen - doch nichts davon wird helfen. Was sollen denn
Reisebeschränkungen gegen die Mitglieder einer Regierung bewirken, die ihr Land nie
verlassen und aus dem allerhöchstens der Regierungschef einmal alle fünf Jahre mit der
Eisenbahn nach Peking fährt? Was nützt die Drohung, Auslandskonten eines Regimes
einzufrieren, die es nicht gibt?
Plädiert jemand ernsthaft für eine Verschärfung von Wirtschaftssanktionen sowie für
die weitere Einschränkung humanitärer Hilfe? Solche Maßnahmen würden die Leiden unter
der hungernden Bevölkerung Nordkoreas noch mehr verschärfen. Daher bleiben auf der Skala
der Sanktionsinstrumenten nur noch militärische Schläge gegen tatsächliche oder
vermutete nordkoreanische Atomanlagen. Aber selbst das könnte das nordkoreanische
Atomwaffenprogramm allerhöchstens um einige Jahre verzögern, nicht aber dauerhaft und
verlässlich beenden - ganz abgesehen von den militärischen und ökologischen Risiken
sowie den großen Opfern unter der Zivilbevölkerung, die so eine Entscheidung fordern
dürfte. Das gilt übrigens auch für das Atomwaffenprogramm des Iran, das Washington
behauptet und das in westeuropäischen Hauptstädten zumindest vermutet wird.
Für Nordkorea und Iran, in beiden Fällen gilt: Eine Chance, die Entwicklung atomarer
Waffen zu stoppen beziehungsweise zu verhindern, gäbe es überhaupt nur, wenn die USA den
Regierungen in Pjönjang und Teheran verlässliche militärische Sicherheitsgarantieren
geben würde. Die Clinton-Administration hatte dies gegenüber Nordkorea 1994 getan, bis
die Regierung Bush diese Garantieren ab 2002 wieder aufkündigte. Nur auf diese Weise
ließe sich die Entwicklung eigener Atomwaffen durch Nordkorea und den Iran noch
eindämmen. Und nur so wird es gelingen, ähnliche Bestrebungen anderswo zu unterbinden,
und den schon sehr löchrig gewordenen Atomwaffensperrvertrag doch noch zu retten.
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