Scharfe Kritik an UNO-Reform
Die Personalvertretung der UNO will für eine Ablehnung der Reformvorschläge von
UNO-Generalsekretär Kofi Annan in der Generalversammlung sorgen
Andreas Zumach
Die diese Woche vorgelegten Pläne von UN-Generalsekretär Kofi Annan für eine
grundlegende Verwaltungsreform der UNO und die Auslagerung ganzer Arbeitsbereiche in
Billiglohnländer sind bei der Personalvertretung, aber auch bei vielen Mitgliedsländern
in der Generalversammlung auf scharfe Kritik gestoßen. Die Vorsitzende der
Personalvertretung, Rosemary Waters, kündigte nach einem Treffen mit dem Generalsekretär
an, sie werde unter den UN-Mitgliedstaaten für eine Ablehnung der Vorschläge werben, die
unter anderem ein Ausscheiden von zunächst 1.000 UNO-MitarbeiterInnen vorsehen.
Arbeitsweise und Strukturen der UN-Verwaltung passten nicht zu den modernen
Anforderungen an die UN und machten es der Organisation schwer, "ihre Arbeit
effizient und effektiv zu erledigen", hatte Annan bei der Präsentation seiner
Vorschläge in der Generalversammlung erklärt. Darauf könne nicht wie bisher mit kleinen
Eingriffen in die Abläufe reagiert werden. Vielmehr seien ein "radikaler Umbau"
und eine "strategische Neuausrichtung" fällig.
Die Reform, die die Staats- und Regierungschefs der UN-Mitglieder beim Weltgipfel im
September gefordert hatten, wird Annans Berechnungen zufolge rund 510 Millionen Dollar
kosten: Für 280 Millionen Dollar sollen die Anstellungsbedingungen der UN-Beschäftigten
aneinander angeglichen und für die Mehrheit von ihnen verbessert werden. 120 Millionen
Dollar sind für eine neue Informationstechnologie vorgesehen, 10 Millionen Dollar für
Weiterbildung und bis zu 100 Millionen Dollar für mögliche Buyouts.
Annan schlägt unter anderem vor, den umfangreichen UN-Dienst für Übersetzung und
Dokumentation inklusive Produktion und Druck nicht mehr in New York oder den Vereinigten
Staaten zu leisten, sondern in ein Niedriglohnland auszulagern. Allein mit der Verlegung
der Übersetzungsdienste in sechs Sprachen könnten seinen Angaben zufolge jährlich 35
Millionen Dollar gespart werden. Auch medizinische Dienste, die Lohnbuchhaltung und die
computertechnische Betreuung der Verwaltung könnten ins Ausland verlegt werden.
China hat Interesse gezeigt. Unmittelbar nach Annans Rede entwickelte sich in der
Vollversammlung ein Disput darüber, in welchem Forum die Vorschläge debattiert und
Änderungen formuliert werden sollen. Entwicklungsländer verlangten Beratungen in den
Ausschüssen der Vollversammlung, in denen sie sich einen größeren Einfluss auf den
Verlauf versprechen. Die USA, die Europäische Union und Japan plädierten für eine
Diskussion in der Vollversammlung.
Die USA haben die Fortsetzung ihrer Beitragszahlungen in Höhe von 22 Prozent des UNO-
Haushalt über den 30. Juni hinaus von Fortschritten bei der Verwaltungsreform abhängig
gemacht. Die Diskussion über den im Dezember verabschiedeten UN-Haushalt hat allerdings
bei vielen ärmeren Staaten den Eindruck hinterlassen, die USA und andere reiche
Nordstaaten wollten Programme und Arbeitsbereiche kürzen, von denen in erster Linie die
Staaten des Südens profitierten.
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