Bush ändert seine Iran-Politik
Zwei der drei Hindernisse im Atomstreit scheinen ausgeräumt
Kommentar von Andreas Zumach
Mit ihrem Angebot an den Iran haben die fünf Vetomächte des UNO-Sicherheitsrats und
Deutschland zwei der drei Hürden genommen, an denen die Verhandlungen des EU-Trios vor
einem Jahr gescheitert waren. Die seinerzeitige Forderung von Frankreich, Großbritannien
und Deutschland, Teheran solle vollständig und für immer auf die Urananreicherung
verzichten, ist nun deutlich aufgeweicht. Jetzt ist nur noch von zeitweiser Aussetzung der
Urananreicherung die Rede. Die damaligen Offerten zur Lieferung von Atomtechnologie durch
europäische Firmen waren nur unverbindlich, weil die Regierungen in Berlin, London und
Paris Sorge hatten, diese Firmen könnten von den USA mit Sanktionen belegt werden. Die
stellte im letzten Jahr die erste Hürde dar. Jetzt steht Washington hinter dem Angebot.
Schließlich kommt erleichternd hinzu, dass die USA nach 29 Jahren Kontaktsperre
gegenüber Iran letzte Woche erstmals ihre Bereitschaft zu direkten Nukleargesprächen mit
Teheran erklärt haben. Somit repräsentiert das neue Angebotspaket an Teheran in
wesentlichen Punkten eine Kurskorrektur der Bush-Administration. Dazu haben die
gravierenden außen- und innenpolitischen Probleme der Administration ebenso beigetragen
wie das beharrliche "Nein" Chinas und Russlands im UNO-Sicherheitsrat zu der
Resolution, die Washington ursprünglich anstrebte und strikteste Sanktionen gegen den
Iran vorsah.
Die dritte Verhandlungshürde des Jahres 2005 war Washingtons Weigerung, dem Iran
Sicherheitsgarantien zu geben. Dieses Hindernis besteht nun zwar unvermindert fort. Doch
in dem Maße, wie Mitglieder der Bush-Administration sich künftig der Erörterung
militärischer Maßnahmen gegen Iran und eines "Regimewechsels" in Teheran
enthalten, steigt die Chance, dass diese Weigerung von den Hardlinern in Teheran nicht
dazu genutzt werden kann, um die Aufnahme von Verhandlungen noch zu sabotieren. Haben die
Verhandlungen erst einmal begonnen, dürfte - siehe das Beispiel Nordkorea, bei denen die
Gespräche jahrelang ohne Durchbruch geführt wurden - irgendwann auch die Zeit reif sein,
über Sicherheitsgarantien zu reden.
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