Ausweg ohne Gesichtsverlust
Irans Atomprogramm: Bush ärgert sich. Das sollte Teheran nutzen
Kommentar von Andreas Zumach
Noch gerade rechtzeitig, bevor sich der Gouverneursrat der Internationalen
Atomenergieagentur (IAEA) gestern Nachmittag dem Konflikt um das iranische Atomprogramm
zuwandte, zeigen sich erste Risse in der problematischen Phalanx, in der EU, USA, Russland
und China in dieser Frage seit Anfang Februar auftraten. Moskau hat einen
Kompromissvorschlag gemacht, dessen Umsetzung eine Atomwaffenentwicklung im Iran
verlässlich verhindern, zugleich aber der Führung in Teheran die Gesichtswahrung
erlauben würde. IAEA-Direktor al-Baradei unterstützt den Vorschlag, und mit der Berliner
Bundesregierung ließ auch bereits ein Mitglied des EU-Trios Sympathien für den
russischen Vorschlag erkennen.
Das ist eine gute Entwicklung. Denn nun besteht die Chance, dass die Strategie der
Bush-Administration, den Konflikt um das iranische Atomprogramm durch seine möglichst
baldige Weitergabe an den UNO-Sicherheitsrat weiter eskalieren zu lassen, nicht aufgehen
wird. Entsprechend harsch sind die Reaktionen aus Washington auf die Moskauer Initiative.
Die Bush-Administration will Iran grundsätzlich und auf ewig verbieten, selbst in
kleinstem Umfang, ausschließlich zu Forschungszwecken sowie unter schärfster
internationaler Überwachung solche Technologien zu nutzen, die sich potenziell nicht nur
zur Erzeugung atomarer Energie, sondern auch zur Herstellung von Atomwaffen nutzen
ließen.
Dieses Ansinnen der Regierung Bush unterminiert den Atomwaffensperrvertrag, der bereits
durch den jüngsten Nukleardeal der USA mit Indien geschwächt wurde. Die US-Regierung
nährt den Verdacht, dass sie den Sperrvertrag durch eine Regime ersetzen will, in dem die
USA entsprechend ihrer nationalen Interessen künftig allein oder mit einer Hand voll von
Washington ausgewählter Staaten darüber bestimmen, wer was darf auf dem nuklearen
Sektor. Und die Führung in Teheran würde sich zum Gehilfen derartiger Bestrebungen
machen, sollte sie den russischen Kompromissvorschlag ablehnen. Genau dies lassen die
ersten Reaktionen Irans befürchten.
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