Iran reagiert auf IAEO-Beschluss
Andreas Zumach
Zum ersten Mal wird der UN-Sicherheitsrat in dem seit Jahren schwelenden
Streit um das iranische Atomprogramm eingeschaltet. Der Gouverneursrat
der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien fällte
am Samstag mit großer Mehrheit einen entsprechenden Beschluss.
In Reaktion auf diese Entscheidung erklärte die Regierung in
Teheran, wie angedroht, ihre Zusammenarbeit mit den Kontrolleuren
der IAEO für beendet. Gleichzeitig kündigte sie die Wiederaufnahme
der "friedlichen" Urananreicherung in vollem Umfang an.
Die Verhandlungen mit Moskau über eine Auslagerung dieses Programms
auf russisches Territorium sollen jedoch nicht abgebrochen werden.
In einer auf Antrag der EU anberaumten Krisensitzung hatten die 35
Mitgliedsstaaten des Gouverneursrates seit Donnerstag über einen
Resolutionsantrag verhandelt, den das EU-Trio Frankreich, Großbritannien
und Deutschland nach vorheriger Abstimmung mit den USA, Russland und
China eingebracht hatte.
Darin wird Iran wegen vergangener Verstöße gegen den Atomwaffensperrvertrag
(NPT) sowie wegen "Missachtung" der Iranresolution des Gouverneursrates
von Ende September 2005 kritisiert. Damals hatte der Rat Iran aufgefordert,
sein kurz zuvor nach freiwilliger siebenmonatiger Unterbrechung wieder
aufgenommenes Programm zur Urananreicherung erneut zu suspendieren.
Das EU-Trio verlangte in seinem Resolutionsantrag allerdings noch
keine Überweisung des Iran-Konflikts an den UN-Sicherheitsrat,
worauf die USA ursprünglich gedrängt hatten. Zunächst
soll die IAEO den Sicherheitsrat lediglich über ihren derzeitigen
Erkenntnisstand zum iranischen Atomprogramm "informieren"
sowie über ihre Fragen und Anforderungen, die Iran bislang nicht
beantwortet und erfüllt hat. Dafür wird Teheran noch eine
einmonatige Frist bis zur nächsten ordentlichen Sitzung des Gouverneursrates
am 6. März eingeräumt. Der Sicherheitsrat wird in der
Resolution ausdrücklich ersucht, das Thema "Iran" vor
diesem Termin noch nicht zu beraten. Am 6. März wird IAEO-Generaldirektor
Mohammed al-Baradei dem Gouverneursrat einen umfassenden Bericht über
das iranische Atomprogramm vorlegen, von dessen Inhalt das weitere
Vorgehen des Gouverneursrates wesentlich abhängen dürfte.
Hinter die überarbeitete Fassung des EU-Entwurfs stellten sich
bei der Abstimmung am Samstagmorgen 27 der 35 Mitglieder des Gouverneursrates.
Ausschlaggebend für diese große Mehrheit war die bereits
angekündigte Zustimmung Russlands und Chinas. Venezuela, Kuba
und Syrien stimmten gegen den Antrag, Algerien, Weißrussland,
Indonesien, Libyen und Südafrika enthielten sich. Mit aufgenommen
in die Resolution wurde nach anfänglichem Widerstand der EU und
der USA die Forderung der arabischen Mitgliedsstaaten des Gouverneursrates
nach einer atomwaffenfreien Zone im Nahen und Mittleren Osten. Dies
bedeutet unter anderem die Abrüstung des israelischen Atomwaffenarsenals.
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