Bushs Geschenk für Ahmadinedschad
Deal widerspricht der bisherigen US-Behauptung der Unzuverlässigkeit internationaler
Rüstungskontrollregimes
Andreas Zumach
Ein besseres Geschenk an seinen iranischen Amtskollegen Mahmud Ahmadinedschad als die
gestrige Unterschrift unter das Nuklearabkommen mit Indien hätte US-Präsident George W.
Bush kaum machen können. Just am Vorabend der alles entscheidenden Iran-Beratungen der
Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEO) in Wien hat Bush deren ohnehin zunehmend
schwierigen Bemühungen zur Verhinderung der atomaren Proliferation einen Bärendienst
erwiesen.
Ahmadinedschad wird jetzt mit noch größerem Widerhall im eigenen Land und darüber
hinaus nicht nur in der islamischen Welt die "Doppelstandards" der USA beim
Umgang mit den Nuklearprogrammen anderer Länder geißeln können. Indien habe seine
Atombomben wie sein Nachbar Pakistan "auf legitime Weise" erworben, versuchte
Washingtons UNO-Botschafter John Bolton den indo-amerikanischen Nuklearpakt zu
rechtfertigen. Die beiden Staaten hätten "nie so getan, als ob sie das Streben nach
Nuklearwaffen aufgegeben hätten" - anders als Iran. Der habe schließlich den
Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und wolle dennoch heimlich Atombomben bauen.
Washington darf sich nicht wundern, wenn Boltons Äußerung im Iran und anderswo
geradezu als Aufforderung verstanden wird, aus dem Abkommen auszusteigen, auch weiterhin
nicht beizutreten (Pakistan, Israel) oder den vollzogenen Austritt nicht wieder
rückgängig zu machen (Nordkorea).
Washingtons Nuklearpakt mit Delhi, der auf eine durch internationale Kontrollen
gewährleistete strikte Trennung zwischen "zivilem" und militärischem
Atomprogramm Indiens setzt, bringt die US-Regierung in Widersprüche zu ihrer bisherigen
Behauptung der Unzuverlässigkeit internationaler Rüstungskontrollregimes. Eine
Behauptung, mit der die präventive Militärstrategie von 2002 sowie der Irakkrieg
begründet wurden und mit der demnächst vielleicht auch Angriffe gegen Iran
gerechtfertigt werden. Wie die IAEO die ihr von den USA zugedachte Rolle wahrnehmen soll,
die strikte Trennung zwischen "zivilem" und militärischem Atomprogramm Indiens
- eines Nichtmitglieds des Sperrvertrages - zu überwachen, ist bislang nicht geklärt.
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