Törichte Sprüche, falsche Forderungen
Der Westen provoziert den Iran, statt zu deeskalieren
Andreas Zumach
Die atomare Bewaffnung Irans wäre eine fatale Entwicklung. Eine solche
Entwicklung wird durch die berechtigte Kritik am Atomwaffenarsenal
Israels, das von Iran und anderen Staaten der Region verständlicherweise
als Sicherheitsproblem wahrgenommen wird, nicht akzeptabler - und
ebenso wenig durch Hinweise auf die uneingelösten Abrüstungsverpflichtungen
der fünf anerkannten Atomwaffenmächte oder die mit deren
Duldung und Förderung erreichte atomare Bewaffnung von Irans
Nachbar Pakistan und von Indien.
Ob Iran tatsächlich Atomwaffen anstrebt, ist bislang nicht eindeutig
geklärt. Klar ist nur, dass die westliche Politik der letzten
vier Jahre die Fraktion derer in Teheran, die diese Option verfolgen,
erheblich gestärkt hat. Wesentlich verantwortlich ist die Bush-Administration
mit ihren verbalen Drohungen gegen Iran, ihrer neuen präventiven
Militärstrategie und dem Krieg gegen Irak. Aber auch die zunächst
verhandlungsbereite EU hat mit ihrer von vornherein völlig unrealistischen
und zum Scheitern verurteilten Forderung nach endgültigem Verzicht
Irans auf die Urananreicherung die Hardliner in Teheran gestärkt
und zum Wahlsieg von Präsident Achmadinedschad beigetragen. Dieser
konnte mit seinen völlig unakzeptablen Drohgebärden gegen
Israel und seinen dümmlichen Äußerungen zum Holocaust
den Konflikt inzwischen weiter anheizen - auch weil westliche Politiker
diese vor allem innenpolitisch motivierten Sprüche törichterweise
als Beleg für iranische Atomwaffenambitionen werteten.
Die Forderung nach endgültigem Verzicht auf die Urananreicherung
wird durch den neu gefundene Konsens des Westens mit Russland und
China kaum erfolgreicher. Mit größter Wahrscheinlichkeit
wird der Konflikt mit Teheran weiter verschärft, wenn der UN-Sicherheitsrat
durch die Atomenergiebehörde eingeschaltet wird. Und wenn der
Iran deren Inspekteure ausweist, wird eine Kontrolle des iranischen
Atomprogramms noch schwieriger werden als bislang schon. Und damit
wächst die Gefahr, dass der bisherige Krieg der Worte eines Tages
nicht nur zu mehr Druck und Sanktionen eskaliert, sondern zu einer
militärischen Auseinandersetzung.
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