Leider nicht mehr als ein Manöver
Atomkonflikt: Bush will den Iran den schwarzen Peter zuschieben
Kommentar von Andreas Zumach
Die Bush-Administration sei zu direkten Gesprächen mit der iranischen Führung über
Teherans Atomprogramm bereit - diese Erklärung ist vor allem in europäischen
Hauptstädten und Medien als "Kehrtwende" der US-Iranpolitik seit 1979 begrüßt
worden. Doch steckt hinter dieser "Kehrtwende" tatsächlich ein von Washington
behaupteter Wille, den Nuklearstreit mit diplomatischen Mitteln zu lösen und dabei die
legitimen Interessen Irans zu berücksichtigen?
Inhalt und Begleitmusik der Erklärung deuten eher auf ein taktisches Manöver der
außen- wie innenpolitisch schwer angeschlagenen Bush-Administration hin. Sie will die
internationale Front gegen den Iran im UNO-Sicherheitsrat und darüber hinaus geschlossen
halten und den Druck weiter verstärken. Wichtigstes Indiz hierfür ist Washingtons
Vorbedingung für die Aufnahme von Gesprächen: Teheran soll die Urananreicherung
vollständig einstellen - und damit just in der zentralen Streitfrage der letzten 18
Monate einen Rückzieher machen. Mit dieser Vorbedingung erweckt die Bush-Administration
den Verdacht, dass sie auf eine iranische Ablehnung der Gesprächsofferte setzt, um
Teheran dann den schwarzen Peter zuzuschieben.
Ebendieses Kalkül haben hochrangige VertreterInnen der Bush-Administration in den
letzten Tagen in Hintergrundgesprächen unmissverständlich beschrieben. Ob dieses Kalkül
allerdings aufgeht, liegt an der iranischen Führung. Die ersten ablehnenden Reaktionen
aus Teheran stimmen pessimistisch, wobei zumindest Außenminister Mottaki angedeutet hat,
unter welcher Sprachregelung direkte Gespräche mit Washington beginnen könnten. Deren
Erfolgsaussichten blieben allerdings sehr gering, solange die Bush-Administration
weiterhin Russlands Kompromissvorschläge zur iranischen Urananreicherung ablehnt und sich
weigert, über Sicherheitsgarantien für den Iran auch nur zu verhandeln. Garantien, von
denen US-Außenministerin Rice wahrheitswidrig behauptet, sie seien von Teheran gar nicht
verlangt worden.
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