Vier Jahre Vertrauen bilden
Iranisches Atomprogramm: Ein Ausweg aus dem Dilemma
Kommentar von Andreas Zumach
Nächste Woche ist es soweit: Auf Basis des jüngsten Iranberichts von Mohammed
al-Baradei, dem Direktor der Internationalen Atomenergieagentur, wird der Gouverneursrat
der IAEA mit großer Mehrheit beschließen, den Iran-Fall dem UNO-Sicherheitsrat zu
übergeben. Dies wird nur zu vermeiden sein, wenn Teheran bis zum kommenden Montag
befriedigende Antworten auf die offenen Fragen des Berichts liefert und vollständig und
endgültig auf die Urananreicherung auf iranischem Territorium verzichtet. Doch
insbesondere mit Letzterem ist kaum zu rechnen.
Dennoch wäre die Einschaltung des Sicherheitsrates nicht nur nutzlos, sondern
wahrscheinlich sogar kontraproduktiv und damit falsch. Nutzlos, weil dieser Schritt die
iranische Führung ebenso wenig beeindrucken wird wie der letzte, mit den Stimmen
Russlands und Chinas gefasste Beschluss des Gouverneursrats von Anfang Februar. Teheran
weiß, dass Sanktionsbeschlüsse oder andere konkrete Maßnahmen des UNO-Sicherheitsrates
gegen Iran am Veto Chinas und wahrscheinlich auch Russlands scheitern würden.
Kontraproduktiv wäre die Einschaltung des Sicherheitsrats, weil sie die Hardliner um den
iranischen Präsidenten Achmadinedschad weiter stärken würde.
Einen Ausweg aus dem Dilemma könnte immer noch ein Vorschlag der International Crisis
Group bieten. Die Forderung an Iran, auf heimische Urananreicherung zu verzichten, wird
aufgegeben. Dafür erklärt Teheran ein vierjähriges De-facto-Moratorium, erlaubt die
Kontrollen seines Atomprogramms durch die IAEA und klärt alle noch offenen Fragen. Nach
dieser Phase der Vertrauensbildung könnte Iran in den nächsten vier Jahren Uran
lediglich in kleinem Umfang zu Forschungszwecken anreichern. Anschließend darf Iran Uran
auch in industriellem Ausmaß anreichern - zur Energiegewinnung, in Anlagen auf eigenem
Territorium, die aber von einem internationalen Firmenkonsortium betrieben werden -, so
wie dies Ahmadinedschad bereits im letzten September auf dem New Yorker UNO-Gipfel
vorgeschlagen hatte.
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