Schont die Ressourcen
Das Weltsozialforum ist an die Grenze der Sinnhaftigkeit gestossen
Andreas Zumach
Das seit 1971 veranstaltete "Weltwirtschaftsforum" in Davos ist längst zu
einem folgenlosen Jahrmarkt der Eitelkeiten verkommen. Eine überwiegend westliche und
fast ausschließlich männliche Elite aus Politik und Wirtschaft palavert in schöner
Unverbindlichkeit über globale Probleme. Einzig erwähnenswert war in diesem Jahr, dass
mit Chirac und Schröder erstmals zwei Regierungschefs aus dem reichen Norden Forderungen
nach internationalen Steuern zur Finanzierung dringender globaler Aufgaben unterstützten,
wie sie seit Jahren von Globalisierungskritikern erhoben werden.
Deren vier Jahre altes "Weltsozialforum" in Porto Alegre ist im Gegensatz zu
Davos zwar tatsächlich repräsentativ für die Welt. Doch auch diese Großveranstaltung
ist an die Grenze ihrer Sinnhaftigkeit gestoßen. Ohne Zweifel haben die bisherigen
Sozialforen ebenso wie die Demonstrationen von Seattle 1999 gegen die Ministertreffen der
Welthandelsorganisation WTO entscheidend beigetragen zur kritischen Wahrnehmung des
bislang höchst ungerechten Globalisierungsprozesses in einer breiten Öffentlichkeit. Und
zur wachsenden Unterstützung für die dringend erforderlichen Korrekturmaßnahmen:
Entschuldung der Länder des Südens, massive Aufstockung der Entwicklungshilfe, Korrektur
von Handelsungerechtigkeiten und Abbau von Agrarsubventionen in den Ländern des Nordens.
Diese Forderungen, die Globalisierungskritiker mindestens seit Ende der Neunzigerjahre
erheben, wurden inzwischen längst auch von Regierungspolitikern im Norden übernommen.
Jetzt kommt es darauf an, dass sie endlich auch umgesetzt werden. Das wird allerdings nur
geschehen, wenn die globalisierungskritischen Gruppen ihre Ressourcen an Zeit, Geld und
Arbeitskraft nicht länger für internationale Großveranstaltungen einsetzen, sondern
für die beharrliche Lobbyarbeit zu Hause. Damit Chirac und Schröder dazu bewegt werden,
ihre wohlklingenden Vorschläge von Davos auch umzusetzen - selbst gegen Bedenken und
Widerstand der eigenen Finanzminister, der Banken und der Wirtschaftsunternehmen.
|