Bush fällt der Hammer aus der Hand
Der republikanische Fraktionschef im US-Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, einer der
wichtigsten Verbündeten von Präsident George W. Bush und Vorkämpfer der christlichen
Rechten, gibt nach einer Korruptionsanklage sein Amt "vorläufig" auf.
Andreas Zumach
US-Präsident George Bush hat seinen wichtigsten Verbündeten im Kongress und in der
Republikanischen Partei verloren. Der wie Bush aus Texas stammende Chef der
republikanischen Mehrheitsfraktion im Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, gab am Mittwoch sein
Amt "vorläufig" auf, nachdem ihn eine texanische Geschworenenkammer wegen
illegaler Wahlkampffinanzierung angeklagt hatte. In Washington erwartet allerdings kaum
jemand, dass DeLay, der wegen seines schlagkräftigen Politikstils den Spitznamen
"Der Hammer" trägt, jemals wieder auf den Posten des Mehrheitsführers
zurückkehrt.
Insider hatten schon länger damit gerechnet, dass die bereits seit fast zwei Jahren
laufenden Ermittlungen des texanischen Bezirksstaatsanwalts Ronnie Earle gegen DeLay zu
einer Anklage führen würden. Dennoch schlug die Nachricht von der entsprechenden
Entscheidung der Geschworenenkammer in Austin wie eine Bombe in Washington ein. Laut
Anklage soll DeLay "gemeinsam mit zwei Mitverschwörern" mehrere republikanische
KandidatInnen zu den Kongresswahlen in Texas im Jahr 2002 mit insgesamt 190.000 US-Dollar
unterstützt haben.Das Geld besorgte DeLay unter Verstoß gegen die Wahlgesetze bei
verschiedenen Unternehmen. Nachdem die auf diese illegale Weise alimentierten Republikaner
aus den texanischen Regionalwahlen 2002 als Sieger hervorgingen, schnitten sie die
Wahlkreise des Bundesstaates neu zu. Diese als "Gerrymandering" bekannte Praxis
wirkte sich direkt auf die Wahlen zum US-Kongress 2004 aus, als die Republikaner drei neue
Wahlkreise in Texas gewannen. DeLay, der sein Abgeordnetenmandat bis zu einer eventuellen
Verurteilung weiter behält, wies alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
"Heute Morgen hat mich in einem Akt offener politischer Parteilichkeit ein
schurkischer Bezirksstaatsanwalt namens Ronnie Earle in Travis County, Texas, wegen
krimineller Verschwörung angeklagt - eine leichtsinnige Anklage, die von den Fakten in
keiner Weise gedeckt wird", sagte DeLay vor Journalisten in Washington. Earle, ein
"parteilicher Fanatiker", wolle sich an ihm für die Neustrukturierug der
texanischen Wahlkreise rächen, wetterte DeLay. Im Falle einer Verurteilung drohen DeLay
bis zu zwei Jahre Haft.
Gegen den bisherigen Mehrheitsführer der Republikaner wurden schon seit längerem
Vorwürfe von Amtsmissbrauch und Korruption erhoben. Im vergangenen Jahr wurde DeLay vom
parlamentarischen Ethikausschuss dreimal gerügt. Neben seinen Methoden bei der
Finanzierung von Wahlkampagnen ist er vor allem wegen seiner engen Kontakte zu
millionenschweren Washingtoner Lobbyisten unter Druck geraten.
Der bekannteste von ihnen, Jack Abramoff, wurde im August wegen eines mutmaßlich
betrügerischen Immobiliengeschäfts angeklagt. DeLay hatte mit Abramoff extravagante
Reisen durch die ganze Welt unternommen und diesen früher als einen seiner
"engsten" Freunde bezeichnet.
Von DeLays Talent und Durchsetzungskraft hatte in den vergangenen Jahren insbesondere
Präsident Bush enorm profitiert. DeLay schaffte es, die republikanische Mehrheit
zusammenzuhalten - nicht nur mit Pizza, die er in späten Runden an hungrige Abgeordnete
verteilte, sondern auch mit Geld, das er in die Wahlkämpfe zahlreicher Kongresskollegen
fließen ließ. Insider sehen ihn deshalb als den effektivsten Kongressführer seit einer
Generation.
Auch über die Politik hinaus verbindet Bush und DeLay viel. Beide wurden vom Rowdytum zur
Religion bekehrt. DeLay trieb es als junger Mann so wild, dass er sich den Spitznamen
"Heiße-Badewanne-Tom" einhandelte. Der studierte Biologe hatte dann 1985 sein
religiöses Erweckungserlebnis und bezeichnet sich seither wie Bush als
"wiedergeborenen" Christen.
In Washington war DeLay in den vergangenen Jahren einer der eifrigsten Kulturkämpfer. So
wetterte er gegen die Evolutionslehre und die Trennung von Kirche und Staat. Und als seine
Aufgabe beschrieb er, "die absolute Wahrheit" gegen die Linke zu schützen.
DeLays bisherigen Posten als Mehrheitsführer übernahm der bisherige
Fraktionsgeschäftsführer Roy Blunt, ebenfalls ein Vertreter des rechten Flügels der
Republikanischen Partei.
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