Reiche Länder uneinsichtig
Zu Recht sind die Agrarverhandlungen der WTO gescheitert
Andreas Zumach
Seit Ende der 80er-Jahre immer wieder dasselbe Szenario: Einmal mehr ist eine
Verhandlungskonferenz im Rahmen der WTO in erster Linie am Egoismus der EU-Staaten und der
USA gescheitert. Die beiden mächtigsten Wirtschaftsblöcke EU und USA sind immer noch
nicht bereit, ihre weltmarktverzerrenden, Hunger fördernden und ökologisch schädlichen
Agrarsubventionen tatsächlich substanziell abzubauen. Und auch die Bereitschaft in
Washington und den 25 EU-Hauptstädten, den Ländern des Südens endlich einen
verbesserten Marktzugang für deren Agrarprodukte zu gewähren, geht über folgenlose
allgemeine Absichtserklärungen nicht hinaus.
Daher ist folgerichtig, dass die Länder des Südens im Gegenzug den Abbau von Zöllen
für Industrieprodukte aus dem Norden verweigern. Und dass sie sich nach wie vor der in
erster Linie von der EU betriebenen "Liberalisierung" öffentlicher
Dienstleistungen widersetzen, ist - völlig unabhängig von der Agrarfrage - in
wohlverstandenem Interesse aller BewohnerInnen dieser Erde. Hinter der unterschiedlichen
Bewertung des Scheiterns dieser WTO-Runde bei den globalisierungskritischen
Nichtregierungsorganisationen (NGO) steckt der nach wie vor nicht gelöste Dissens, ob die
WTO reformierbar und in ihrem Rahmen die Vereinbarung gerechter globaler Handelsregeln
überhaupt denkbar ist. Zu Recht verneinen dies Organisationen wie etwa das
globalisierungskritische Netzwerk Attac.
Doch vielleicht wäre ein Konsens aller NGOs über eine sehr wesentliche Forderung denkbar
- und nützlicher: dass mit landwirtschaftlichen Gütern grundsätzlich nicht mehr
international gehandelt werden soll - außer in Situationen, in denen es gilt, Menschen
vor dem Verhungern zu bewahren. Die Ernährungssicherheit und -autonomie jedes Landes
dieser Erde so weit wie möglich wieder herzustellen - das ist ein realistisches Ziel,
für das es neben anderen auch viele ökologische Gründe gibt. Eine gemeinsame Kampagne
aller globalisierungskritischen NGOs in Nord und Süd für dieses Ziel könnte auch zu
einer Veränderung der Fronten in der WTO beitragen.
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