Dank an Japans Ehrlichkeit
UNO: Erpresserische Manöver, um in den Sicherheitsrat zu kommen
Andreas Zumach
Japans Außenminister sei großer Dank. Denn es kommt nicht häufig vor, dass ein
führender Politiker der asiatischen Wirtschaftsgroßmacht auf internationalem Parkett so
deutlich redet, wie Nobutaka Machimura das in der Nacht zum Donnerstag im New Yorker
UNO-Hauptquartier getan hat. Dank Machimura ist nun hochoffiziell bestätigt, das
zumindest Japan im Streben nach einem ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat das Mittel der
Erpressung einsetzt.
Entsprechende Vorwürfe des italienischen Außenministers Marcello Spatafora an die
Adresse der G 4, in der sich die vier Anwärterstaaten zusammengeschlossen haben, hatten
die Regierungen in Tokio und Berlin tags zuvor noch empört zurückgewiesen. Kaum
verhüllt drohte Machimura mit der Kürzung der japanischen Beiträge an die UNO (die im
Übrigen eine völkerrechtlich verbindliche Mitgliedspflicht sind), falls Tokio keinen
ständigen Ratssitz erhält. Diese Drohung erfüllt ebenso den Tatbestand der Erpressung
wie die von Italien behauptete Streichung bereits zugesagter Entwicklungshilfegelder der
G-4-Staaten für Drittweltländer, die das Streben der G 4 nach ständigen Ratssitzen
nicht unterstützen.
Wird die Bundesregierung sich nun ebenso deutlich von der Drohung des G-4-Partners
Machimura distanzieren, wie sie die Vorwürfe des G-4-Gegners Spatafora zurückgewiesen
hat? Wohl kaum. Denn die Berliner Methoden sind nur etwas subtiler und unterscheiden sich
nur graduell, nicht aber grundsätzlich von denen Tokios. So lautet einer der drei
zentralen Sätze, mit denen Außenminister Fischer und seine Diplomaten den Anspruch auf
einen ständigen deutschen Sitz im UNO-Sicherheitsrat begründen: "Die Motivation der
Staaten, die - wie Deutschland - einen großen personellen und finanziellen Beitrag zum
Funktionieren der Vereinten Nationen leisten, aber bislang kein entsprechendes
Mitspracherecht im Sicherheitsrat haben, muss gesteigert werden." Im Klartext heißt
dieser Satz: Falls Deutschland keinen ständigen Ratssitz bekommt, wird sein Engagement
für die UNO zurückgehen.
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