TAZ
28. November 2005


Schweiz noch gentechfrei

EidgenossInnen stimmen dafür, dass bis 2010 weder manipuliertes Saatgut noch Tiere ins Land kommen.

Andreas Zumach

Auf Schweizer Feldern dürfen zumindest bis zum Ende des Jahres 2010 keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden. Auch die Einfuhr von gentechnisch manipulierten Tieren in die Alpenrepublik bleibt für die nächsten fünf Jahre verboten. Ein entsprechendes Moratorium beschlossen die eidgenössischen StimmbürgerInnen gestern bei einer Volksabstimmung mit überraschend deutlicher Mehrheit.

Für die von einem Bündnis aus Umwelt- und Verbraucherschützern sowie Landwirten eingebrachte Gentechfrei-Initiative, die von den Schweizer Grünen und den an der Berner Bundesregierung beteiligten Sozialdemokraten unterstützt wurde, votierten nicht nur mehr als 55 Prozent der Stimmberechtigen. Die Initiative fand darüber hinaus auch die für ihre Annahme erforderliche Mehrheit in über der Hälfte der 26 Schweizer Kantone. Die InitiatorInnen werteten ihren Sieg als "klares Signal für den Wunsch nach Wahlfreiheit bei Lebensmittelprodukten".

Der Schweizer Bauernverband sieht in dem Ergebnis eine Chance für die Steigerung der Ausfuhr von gentechnikfreien Produkten aus der Schweiz. Die Verlierer der Abstimmung - darunter die drei bürgerlichen und konservativen Regierungsparteien, Lebensmittelunternehmen wie der Schweizer Nestlé-Konzern sowie Vertreter landwirtschaftlicher Forschungseinrichtungen - äußerten sich dagegen enttäuscht über das Ergebnis der Abstimmung. Sie hatten vergeblich davor gewarnt, dass ein Ja zu der Initiative "die Schweiz in Europa isolieren" und zu einer "Abwanderung der Forscher" führen werde.