Kein Beweis für Selbstreinigung
US-Folter an Gefangenen: Die hohen Chefs bleiben unbehelligt
Andreas Zumach
Die Verurteilung der US-Soldatin Lynndie England wegen Misshandlung von Häftlingen im
irakischen Gefängnis Abu Ghraib war überfällig. Denn die zunächst vertuschten Vergehen
der 22-jährigen Wachsoldatin stammen bereits vom Frühsommer 2003. Und die Bildbeweise
für diese Vergehen gingen schon im April 2004 um die Welt.
Die Bush-Administration preist den Schuldspruch des Militärgerichts erwartungsgemäß als
Beweis für die funktionierende Selbstreinigung der US-Streitkräfte. Doch ist mit der
Verurteilung Englands das Thema "Misshandlung und Folter" in den unter US-Regie
stehenden Gefängnissen und extraterritorialen Internierungslagern im Irak, in
Afghanistan, Guantánamo, Diego Garcia oder anderswo nicht erledigt. Die am Wochenende
bekannt gewordenen systematischen Misshandlungen und Folterverbrechen durch Soldaten der
als Eliteeinheit geltenden 82. Luftlandedivision liefern weitere Indizien dafür, dass
diese gegen das Völkerrecht und gegen US-Gesetze verstoßenden Praktiken weiter
verbreitet waren und wahrscheinlich immer noch sind, als bislang öffentlich bekannt war.
Und dass diese Praktiken von höchster Stelle in Washington nicht nur geduldet, sondern
sogar gefördert wurden und werden.
Bislang ist es dem Pentagon gelungen, alle Untersuchungen so anzulegen, dass von ihnen
keine politische Gefahr für Verteidigungsminister Donald Rumsfeld oder gar für
Präsident George Bush ausgeht. Rund 400 Ermittlungsverfahren laufen derzeit -
ausschließlich gegen Soldaten mit niedrigem Dienstgrad wie Lynndie England. Eine Farce
war die Untersuchung, mit der das Pentagon in Eigenregie den ehemaligen Oberbefehlshaber
im Irak, General Ricardo Sanchez, reingewaschen hat.
Völlig im Dunkeln liegen noch immer die Fälle von Häftlingen, die seit dem 11.
September 2001 im Gewahrsam der CIA starben - zumeist in Folge von Verhören. Jedes Mal
versprach die Bush-Administration sofortige Aufklärung und die Bestrafung der
Verantwortlichen. Doch in keinem einzigen Fall der CIA-Todesopfer gibt es bislang auch nur
ein Ermittlungsverfahren
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