Diskreter Ausweg für Deutschland
UNO-Generalsekretär Annan hat sein Reformpaket geschickt gepackt
Andreas Zumach
Kofi Annans Vorschläge zur Stärkung und Reform der UNO sind klug ausbalanciert. Zu
Recht stellt der UNO-Generalsekretär die Erfüllung der "Millenniumsziele" zur
Reduzierung der weltweiten Armut um 50 Prozent bis zum Jahr 2015 und die sich daraus
ergebenden besonderen Verpflichtungen für die reichen Industriestaaten in den
Vordergrund. Denn klar ist: Ohne die Erfüllung wenigstens dieser bescheidenen Ziele
werden inner- und zwischenstaatliche Konflikte in den nächsten zwei Jahrzehnten überall
auf der Welt erheblich eskalieren. Gegenüber diesen Konflikten wären die
Handlungsfähigkeit und die Einwirkungsmöglichkeit der UNO selbst dann gering, wenn all
die von Annan vorgeschlagenen institutionellen Reformen der Weltorganisation tatsächlich
in diesem Herbst von der Generalversammlung beschlossen und dann auch umgesetzt würden.
Auch hinsichtlich dieser institutionellen Reformen bewies Annan zum einen Gespür für
das heute Machbare im komplizierten Interessengeflecht der 191 UN-Mitgliedsstaaten, zum
anderen aber auch eigenes Urteilsvermögen. So hat der Generalsekretär von den
Vorschlägen, die eine von ihm eingesetzte Reformkommission im Dezember vorgelegt hat, nur
die sachlich wirklich überzeugenden übernommen.
Klug war schließlich auch, dass Annan - wie zuvor bereits seine Reformkommission -
offen gelassen hat, ob bei einer Erweiterung des Sicherheitsrats auch neue Mitglieder mit
ständigem Sitz hinzukommen sollen oder nicht. Dabei ist bekannt, dass der
Generalsekretär persönlich neue ständige Sitze für unnötig hält.
Für die Bundesregierung ist damit die letzte Gelegenheit gekommen, ihre völlig
unangemessene Kampagne für einen ständigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat ohne
Gesichtsverlust einzustellen. Auf diese Kampagne hat Berlin bereits viel zu viel
politische Energie verschwendet. Wenn Annan tatsächlich die "volle
Unterstützung" der Bundesregierung hat, wie in Berlin immer wieder beteuert wird,
dann sollte die Regierung sich endlich mit aller politischen Kraft für die Umsetzung der
wirklich wichtigen Punkte im Reformpaket des Generalsekretärs engagieren.
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