Schröders verfehlte Ambitionen
UN-Sicherheitsrat: Ein Scheitern Berlins wäre ein Gewinn für die UNO
Andreas Zumach
Jetzt gibt es für die rot-grüne Bundesregierung endültig keine Möglichkeit mehr,
sich ohne Gesichtsverlust vom törichsten außenpolitischen Ziel ihrer zweiten Amtszeit
zurückzuziehen: dem ständigen, gar mit Vetorecht ausgestatteten Sitz Deutschlands im
UNO-Sicherheitsrat. Nach Vorlage des gemeinsam mit Japan, Brasilien und Indien verfassten
Resolutionsantrages in der New Yorker Generalversammlung geht es es dort nur noch um Sieg
oder Niederlage.
Unter diesem Prestigedruck ist zu befürchten, dass sich die öffentliche Debatte in
Deutschland über das wichtige und vielschichtige Thema "UN-Reform" noch viel
stärker als bislang schon auf die Frage eines ständigen Ratssitzes für die
Bundesrepublik verengt. Ein Scheitern der Berliner Ambitionen könnte dann kaum anders
wahrgenommen werden denn als Scheitern der gesamten UNO-Reform und als - angeblicher -
Beweis für die Vergeblichkeit entsprechender Bemühungen.
Innerhalb dieses Szenarios des Scheiterns sind allerdings zwei Varianten denkbar. Die
destruktivere Variante: der Resolutionsantrag der G-4 scheitert, möglicherweise bereits
sogar in der ersten der von den Antragsstellern vorgesehenen drei Abstimmungsrunden. Dann
bliebe der stark reformbedürftige Sicherheitsrat auf absehbare Zeit unverändert.
Die konstruktivere Variante: die Befürworter einer Ratsreform, die auf
Demokratisierung, gerechtere Repräsentanz der Weltregionen sowie auf schrittweise
Überwindung der historisch überholten Privilegien ständiger Sitz und Vetorecht setzen,
statt auf deren Ausweitung, bringen einen entsprechenden Antrag in der Generalversammlung
ein und erhalten dafür die erforderliche Mehrheit. Das wäre zwar eine Niederlage für
die verfehlten Ambitionen des deutschen Bundeskanzlers und seinen Außenministers, aber
ein großer Fortschritt für die UNO. Und danach bestünde endlich auch für Berlin die
Chance, sich auf die wirklich entscheidenden Fragen einer Reform zur Stärkung der
Vereinten Nationen und ihrer Handlungsfähigkeit zu konzentrieren.
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