Falsche Grundannahme
Deutschland hat kein natürliches Recht auf einen Sitz im Sicherheitsrat
Andreas Zumach
"Schröder und Fischer kommen mir vor wie zwei präpubertäre Unterprimaner beim
Wettpinkeln gegen den Wind." So despektierlich äußerte sich unlängst ein deutscher
Botschafter über die Kampagne des Bundeskanzlers und des Außenministers für einen
ständigen, mit Veto ausgestatteten Sitz Deutschlands im UNO-Sicherheitsrat. Fischers
Blase - um im Bild des Botschafters zu bleiben - schwächelt inzwischen etwas.
Zumindest ist der Außenminister kürzlich wenigstens von der Forderung nach dem Veto
für Deutschland abgerückt, die immer schon so abwegig und realitätsfremd war, dass sie
sich nicht einmal als Karte im New Yorker Verhandlungspoker eignete. Und Fischer hat
erkannt, dass des Kanzlers Werben für eine Aufhebung des Waffenembargos gegen China die
ohnehin nie rosigen Aussichten auf Washingtons Unterstützung für einen ständigen
deutschen Ratssitz noch weiter verdüstert hat.
Doch Fischers leichte Kurskorrekturen werden auch den ständigen Sitz ohne Veto nicht
retten. Denn wie sich jetzt erweist, war die Grundannahme, mit der alle Bundesregierungen
seit knapp 15 Jahren in der Debatte um eine Reform des Sicherheitsrates operiert haben,
immer falsch: Deutschland und Japan sind eben nicht die quasi gesetzten Anwärter für
einen ständigen Ratssitz, um die man dann nur noch die übrigen Interessenten aus dem
"Rest der Welt" einigermaßen geschickt gruppieren muss. Im Gegenteil: die
überfällige Erweiterung des Sicherheitsrates könnte letztlich sogar völlig scheitern
gerade wegen der deutsch-japanischen Tandembewerbung und der Ablehnung aller anderen
Reformmodelle durch Berlin und Tokio.
Unter Verweis auf die aktuellen Spannungen zwischen China und Japan und die eindeutige
Festlegung Pekings gegen einen ständigen Sitz für Tokio könnte die Bundesregierung
jetzt noch einigermaßen ohne Gesichtsverlust aus dem aussichtslosen Rennen um einen
ständigen Ratssitz aussteigen. Die Aussichten hierfür sind allerdings nicht sehr gut,
denn offensichtlich gibt es in Berlin keine klare Koordination der UNO-Politik. Das zeigt
nicht zuletzt die Art und Weise, wie Finanzminister Eichel verbindliche Zusagen der
Regierung an die UNO öffentlich in Frage stellt.
|