Kofi Annan muss mit Unverbindlichkeiten zufrieden sein
Ein "gutes Dokument" nennt der UN-Generalsekretär die jetzt beschlossene
Gipfelerklärung. NGOs kritisieren sie als "völlig unzureichend" und
"potemkinsches Dorf".
Andreas Zumach
Zum Auftakt des dreitägigen Reformgipfels der UNO in New York hat Generalsekretär
Kofi Annan gestern den Text der am Dienstag vereinbarten Gipfelerklärung als Erfolg
dargestellt. Trotz der erheblichen Verwässerungen seiner Vorschläge zur Reform der UNO
sowie zur Umsetzung der Millenniumsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 betonte Annan,
die Gipfelerklärung sei "ein gutes Dokument". Als "Fortschritte"
wertete Annan die Formulierungen der Erklärung zur Armutsbekämpfung, zum Terrorismus und
zur "Verantwortung" aller Staaten zum "Schutz" ihrer Bevölkerungen
vor Völkermord und anderen schweren Menschenrechtsverstößen sowie die
Absichtserklärungen zur Schaffung eines Menschenrechtsrates und einer UNO-Kommission zur
Friedensbildung. Am Dienstagabend noch hatte Annan dieser Erfolgsliste die Kritik
beigefügt, dass Formulierungen zur atomaren Abrüstung völlig fehlten. Dies hatten die
USA durchgesetzt ebenso wie die Streichung jeglicher Erwähnung es Internationalen
Strafgerichtshofes.
Ähnlich wie der UNO-Generalsekretär bewertete auch die Bundesministerin für
wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Gipfelerklärung als
Fortschritt. Trotz aller Sabotageversuche der USA sei es gelungen, mit Blick auf die
Umsetzung der Millenniumsziele zur Bekämpfung der Armut bis 2015 einige wesentliche
Vereinbarungen im Konsens festzulegen.
US-Präsident George Bush nahm in seiner Rede vor der Generalversammlung überhaupt keinen
Bezug auf die Gipfelerklärung. Bush nutzte seine Rede, die Maßnahmen und
"Erfolge" der USA bei der Bekämpfung von Terrorismus, Armut und Aids sowie bei
der Verbreitung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten herauszustellen und die 190
anderen Staaten aufzufordern, bei diesen Fragen mit den USA zusammenzuarbeiten.
Die beim Gipfel vertretenen Nichtregierungsorganisationen machten auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz ihre erhebliche Kritik und Enttäuschung an der Gipfelerklärung deutlich.
Von der ursprünglich vom Generalsekretär vorgeschlagenen "umfassenden Reform der
Vereinten Nationen" sei "nur noch ein potemkinsches Dorf übrig geblieben",
erklärte der US-Amerikaner William Pace von der Bewegung der Weltföderalisten. Die
VertreterInnen der Menschenrechtsorganisationen amnesty international und Human Rights
Watch kritisierten, dass die Schaffung eines Menschenrechtsrates, der die bisherige
Menschenrechtskommission der UNO ersetzen soll, mit der Gipfelerklärung lediglich im
Grundsatz vereinbart wurde. Sämtliche wesentlichen Details wurden zur Klärung an die
Generalversammlung verwiesen. Harsche Kritik an den "völlig unzureichenden und viel
zu unverbindlichen" Formulierungen der Gipfelerklärung zur Umsetzung der
Millenniumsziele äußerten Oxfam wie auch verschiedene kirchliche
Entwicklungsorganisationen aus Deutschland, den USA und anderen Ländern.
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