"Das ist Multilateralismus à la carte"
Nichtregierungsorganisationen kritisieren scharf den Entwurf für die
Abschlusserklärung: "Die Konsensdiplomatie ist hier endgültig an ihre Grenzen
gestoßen".
Andreas Zumach
Der vorliegende Entwurf für die Abschlusserklärung des UNO-Gipfels stößt bei
Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf Enttäuschung und deutliche Kritik. "Der
Berg kreißte und gebar eine Maus", sagt etwa Jens Martens, Geschäftsführer des
Global Policy Forum Europe, einer NGO mit Sitz in New York und Bonn, die die UNO in
kritischer Solidarität beobachtet.
Martens wirft den Regierungen der Mitgliedsstaaten vor, sie hätten "es wieder nicht
geschafft, die dringend notwendigen Schritte zur weltweiten Bekämpfung der Armut und zur
Stärkung der UNO zu beschließen". Damit sei "die Konsensdiplomatie in den
Vereinten Nationen endgültig an ihre Grenzen gestoßen".
Ähnlich kritisch, insbesondere mit Blick auf die Verwässerung der Vorschläge von
Generalsekretär Kofi Annan zur Armutsbekämpfung, äußert sich die internationale
Entwicklungsorganisation Oxfam. Global Policiy Forum Europe sieht "die
Hauptverantwortung für das magere Gipfelergebnis" bei der Bush-Regierung, die die
Verhandlungen "durch ihre Flut von Änderungsforderungen kurz vor Toresschluss
sabotiert" habe. Bush und sein UNO-Botschafter, John Bolton hätten so "einmal
mehr demonstriert, dass ihnen an einer wirklichen Stärkung der Vereinten Nationen nicht
gelegen ist", erklärte Martens. Die Vereinigten Staaten betrieben in den UN
weiterhin eine Politik des "Multilateralismus à la carte".
Aber auch die rot-grüne Bundesregierung habe sich "nicht mit Ruhm bekleckert",
erklärt Martens. Ihre "einseitige Konzentration auf einen ständigen Sitz
Deutschlands im Sicherheitsrat" habe sich "als schwerer politischer und
diplomatischer Fehler erwiesen". Martens kritisiert, dass Bundeskanzler Schröder nun
auch noch seine Teilnahme am Gipfel in New York abgesagt habe und stattdessen in Trier und
Nürnberg Wahlkampf mache, signalisiere "deutlich den wirklichen Stellenwert, den der
Kanzler den Vereinten Nationen beimisst". Die Bundesregierung müsse sich "nicht
wundern, dass Schröders Fernbleiben in New York als beleidigte Reaktion auf das
gescheiterte Werben um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat und als Missachtung der UN
interpretiert wird".
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