Iran soll atomare Aktivitäten einstellen
Andreas Zumach
Die Internationale Atomenergie-Behörde verabschiedet nach dreitägigen Beratungen
einmütig Resolution gegen Irans Atomprogramm. USA zufrieden. Iran: Entscheidung nicht
hinnehmbar. Sicherheitsrat der UNO wird vorerst nicht angerufen.
Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) hat den Iran zum
Stopp der atomaren Brennstoffproduktion aufgefordert. Eine entsprechende Resolution sei am
Donnerstag einmütig verabschiedet worden, sagte IAEO-Sprecherin Melissa Fleming am Sitz
der Organisation in Wien. Der Entwurf war von Deutschland, Frankreich und Großbritannien
eingebracht worden. Der Beschluss zeige, dass "die internationale Gemeinschaft in der
Entschlossenheit vereint ist", den Iran von seinem "gefährlichen Weg
abzubringen", sagte der US-Botschafter bei der IAEO, Gregory Schulte. Der iranische
Unterhändler Mohammad Saidi bezeichnete die Resolution als "nicht hinnehmbar".
Der Gouverneursrat halte es für "notwendig, dass der Iran alle seine Aktivitäten im
Zusammenhang mit der Anreicherung [von Uran] unterbricht", heißt es in der
Resolution, die vom obersten IAEO-Gremium beschlossen wurde. Zugleich äußerte sich der
Gouverneursrat "zutiefst besorgt", dass der Iran die Uranbearbeitung in Isfahan
wieder aufgenommen habe. Eine Überweisung des Konflikts an den Weltsicherheitsrat war
dennoch nicht vorgesehen. Der Gouverneursrat, in dem 35 Länder vertreten sind, hatte seit
Dienstag über die iranische Atompolitik beraten. Das Gremium vertagte sich mehrfach,
bevor die Resolution am Donnerstagnachmittag angenommen wurde. Eine formelle Abstimmung
gab es nicht.
"Der Iran wird nicht nachgeben und wird in zehn Jahren atomaren Brennstoff
produzieren", erklärte die iranische Delegation in Wien. Zugleich erklärte sie
jedoch ihre Bereitschaft, weiter mit der IAEO zusammenzuarbeiten und ihre Verpflichtungen
zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen einzuhalten. Unterhändler Saidi drohte damit,
dass Teheran sich nicht mehr an das Pariser Abkommen halten werde, mit dem die
Uranumwandlung für die Dauer der Verhandlungen ausgesetzt worden war.
Die EU-Unterhändler Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten ihren Entwurf der
Resolution am Mittwoch nach intensiven Beratungen vorgelegt. Der Iran hatte unterdessen
unter Kontrolle der IAEO die letzten Siegel an der umstrittenen Anlage in Isfahan
entfernt, um sie wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Die Anlage dient der
Uranumwandlung, einer Vorstufe der Anreicherung. Uran kann je nach Anreicherungsgrad
sowohl als Brennstoff für Kraftwerke als auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.
Die USA verdächtigen die Islamische Republik, heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.
Israel drohte unterdessen indirekt erneut mit einem militärischen Präventivschlag gegen
Iran. Ministerpräsident Ariel Scharons außenpolitischer Berater Salman Schoval erklärte
im Inforadio von RBB, Israel könne sich "alle Mittel und Wege vorstellen, um sich
gegen eine Zerstörung zu verteidigen". Schoval erinnerte in diesem Zusammenhang an
den Präventivschlag der israelischen Luftwaffe gegen den damals noch im Bau befindlichen
irakischen Atomreaktor Osiek im Juni 1981.
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