Iran bleibt bei Atomverhandlungen hart
Andreas Zumach
Die Gespräche zwischen Teheran und dem EU-Trio über Irans umstrittenes
Atomprogramm sind komplett festgefahren. Ein unilateraler, endgültiger Verzicht auf eine
Urananreicherung selbst zu zivilen Zwecken kommt für Teheran "nicht in Frage".
Die seit Dienstag laufende Genfer Verhandlungsrunde zwischen Iran und dem EU-Trio
Frankreich, Großbritannien und Deutschland über Teherans umstrittenes Atomprogramm hat
"keinerlei Fortschritte erbracht". Das verlautete aus Regierungskreisen der vier
beteiligten Staaten. Auch vom heutigen letzten Verhandlungstag werden "keine
greifbaren Ergebnisse" erwartet.
Eine Erfüllung der Kernforderung des EU-Trios - der auch von den USA verlangte
unilaterale, endgültige Verzicht Teherans auf die Urananreicherung selbst zu
nichtmilitärischen Zwecken der atomaren Energiegewinnung - kommt nach Angaben iranischer
Unterhändler "unter keinen Umständen in Frage". Über diese zentrale Frage
wird seit gestern morgen zwischen hohen Beamten der vier Außenministerien in der Genfer
UNO-Mission Frankreichs beraten.
Iran besteht darauf, dass die Urananreicherung zu zivilen Zwecken nicht verboten ist.
Zu dauerhaften Einschränkungen bei der Anwendung dieser Technologie oder zum völligen
Verzicht bereit wäre Teheran nach Aussage seiner Diplomaten allerhöchstens im Rahmen
einer "nicht diskriminatorischen, multilateralen Vereinbarung, die auch für andere
Staaten verbindlich sein muss".
Solche Vereinbarungen, eventuell als Zusatzprotokoll zum (von Iran ratifizierten)
Atomwaffensperrvertrag, hatte der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO)
Mohammed al-Baradei im Januar vorgeschlagen. Laut al-Baradei sollten alle Staaten, die zur
atomaren Energiegewinnung benötigten Brennstoffe unter zentraler Kontrolle der IAEO
erhalten.
Bei den Beratungen über allgemeine sicherheitspolitische Fragen, die am Mittwoch unter
deutschem Vorsitz in der UNO-Mission Deutschlands stattfanden, sowie bei den Verhandlungen
über eine verstärkte technologische Zusammenarbeit wurde deutlich, dass auch noch so
weit gehende Angebote des EU-Trios Teheran nicht zum unilateralen, endgültigen Verzicht
auf die Urananreicherung werden bewegen können. Zumal diese Angebote nur relevant für
Teheran sind bzw. nur realisiert werden können, wenn die USA mitmachen oder grünes Licht
geben.
So sind etwa "negative Sicherheitsgarantien" (etwa der Verzicht auf den
Angriff mit atomaren Waffen) für Iran nur von Bedeutung, wenn diese auch von den USA
unterschrieben sind. Die von der EU offerierte Lieferung von Leichtwasserreaktoren, die
Iran die Gewinnung atomarer Energie ohne Urananreicherung ermöglichen würde, bedarf des
Plazets und der technologischen Hilfe der USA.
Die Erwartung, dass es zur Kooperation der Bush-Administration in diesen Punkten kommen
könnte, ist seit Januar noch einmal deutlich zurückgegangen. Grund sind die deutlich
verschärfte Kriegsrhetorik der Bush-Administration gegenüber Teheran sowie - durch
US-Medien enthüllte - Operationen der US-Geheimdienste und des Pentagon zur Vorbereitung
etwaiger Militärmaßnahmen gegen Iran.
Doch auch schon in den ersten vier Jahren habe die Bush-Administration gegenüber Iran
"eine Politik betrieben, die im Ergebnis zur Stärkung der konservativen Hardliner in
Teheran und zur Schwächung der Reformkräfte und der demokratischen Opposition
beigetragen hat", beklagt ein hoher, mit den Iranverhandlungen befasster EU-Diplomat.
Dabei sei auch die Fraktion jener in Teheran gestärkt worden, die nicht nur den
unilateralen Verzicht auf die Urananreicherung zu zivilen Zwecken ablehnen, sondern die
Option auf eigene Atomwaffen zumindest offen halten wollen.
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