UN-Skandal: Noch lange nicht geklärt
Kommentar von Andreas Zumach
Gewissenhafte Untersuchungen brauchen ihre Zeit, um zu überzeugenden Resultaten zu
kommen. Also nimmt sich die Volcker-Untersuchungskommission Zeit und legt nun ihren
dritten Untersuchungsbericht vor. Ergebnis: handfeste und gerichtsverwertbare Beweise für
die Korruption und andere schwere Vergehen zweier ehemaliger hoher UNO-Beamter. Einer von
ihnen galt jahrelang als enger Vertrauter von Generalsekretär Kofi Annan - Benon Sevan,
der frühere Leiter des Programms "Öl für Nahrungsmittel".
Damit hat die von Annan berufene Kommission entgegen allen Zweifeln von Medien und
Republikanern in den USA ihre Unabhängigkeit bewiesen. Es ist im Interesse der
Weltorganisation und ihrer in überwältigender Mehrheit ehrlichen Mitarbeiter, dass die
Kommission weiter so unabhängig arbeitet und in ihrem Abschlussbericht Ende September
ebenso eindeutige wie überzeugende Antworten auf die vier noch ausstehenden Fragen gibt.
War der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali an der Korruption von Sevan
beteiligt? Hatte der derzeitige Generalsekretär Annan entgegen all seinen Beteuerungen
Einfluss auf die Geschäftsbeziehungen der UNO zu einer Schweizer Firma, in deren Diensten
sein Sohn Kojo stand? Warum hat der politisch für das Programm "Öl für
Nahrungsmittel" verantwortliche Sicherheitsrat trotz zahlreicher Warnungen und
Hinweise durch UNO-Mitarbeiter nie etwas dagegen unternommen, dass das Regime von Saddam
Hussein beim Verkauf von Öl und beim Einkauf humanitärer Hilfsgüter Geld abzweigte?
Und schließlich: Warum konnte das Regime die Sanktionsbeschlüsse des Rates ignorieren
und dennoch mit Billigung der beiden ständigen Ratsmitglieder USA und Großbritannien
sechs Jahre lang Öl in die Türkei und nach Jordanien schmuggeln? Dafür hat Saddam
immerhin über 11 Milliarden Dollar eingestrichen - fast sechsmal so viel wie durch die
Manipulationen beim Programm "Öl für Nahrungsmittel".
Eine Antwort vor allem auf die letzte Frage könnte dazu beitragen, dass die Proportionen
der Einzelteile des Skandalkomplexes "Öl/Irak/UNO" endlich richtig wahrgenommen
werden.
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