Nur Sicherheitsgarantien befrieden den Iran
Kommentar von Andreas Zumach
Der Streit um das iranische Atomprogramm wird immer gefährlicher. Jetzt drohen der
endgültige Kollaps des Atomwaffensperrvertrages und, weit schlimmer, eine militärische
Auseinandersetzung mit Teheran. Deren Opfer, Zerstörungen, terroristische Auswirkungen
sowie regional- und weltpolitische Verwerfungen könnten den Irakkrieg von 2003 in den
Schatten stellen.
Hauptverantwortlich für diese gefährliche Entwicklung sind die USA mit der EU im
Schlepptau. Mit der politisch falschen, völkerrechtlich nicht haltbaren und von Anfang an
völlig unrealistischen Forderung nach dauerhafter Einstellung der iranischen
Urananreicherung haben Washington und Brüssel sich selbst in die Sackgasse getrieben. In
der bleibt ihnen vermeintlich nur noch die Option der Eskalation mit Drohungen, Sanktionen
und Krieg. Und sie haben die Fraktion der Hardliner in Teheran gestärkt. Die, bisher noch
in der Minderheit, hängt der gefährlichen Illusion an, Irans Sicherheitsproblem lasse
sich mit der Verfügung über Atomwaffen lösen.
Aber ein Ausweg aus der Sackgasse und die Deeskalation des Konflikts wären immer noch
möglich. Zum einen, wenn die USA und die EU, statt der Zerstörung des
Atomwaffensperrvertrages weiter Vorschub zu leisten, auf die Stärkung dieses Abkommens
setzen würden. Hierfür hat IAEO-Direktor Baradei schon im Januar konkrete Vorschläge
gemacht. Ihre Umsetzung würde die internationale Kontrolle über das Atomprogramm Irans
und aller anderen Vertragsstaaten wesentlich verbessern und die in nationalen Anlagen
betriebene Urananreicherung weltweit beenden.
Zum anderen müssten die USA und die EU die objektiven Sicherheitsprobleme Irans endlich
ernst nehmen und zu ihrer Überwindung beitragen: durch verlässliche
Nichtangriffsgarantien Washingtons gegenüber Teheran sowie durch ein aktives Engagement
für eine atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten. Deren Realisierung würde -
für Iran wesentlich - auch die Verschrottung der rund 300 Atomsprengköpfe Israels
beinhalten. Denn so inakzeptabel iranische Atomwaffen wären, so inakzeptabel ist auch das
israelische Arsenal.
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