TAZ
09. Februar 2005


Tsunami-Hilfe rollt zu langsam ein

Andreas Zumach

UN beklagt, dass Regierungen ihre großzügigen Zusagen nicht erfüllen: Bislang sind erst 40 Prozent der versprochenen 977 Millionen Dollar Soforthilfe eingegangen.

Die Euphorie über die große internationale Hilfsbereitschaft nach dem Erdbeben im Indischen Ozean hat einen Dämpfer erhalten. Zumindest bei der UNO. Denn von den 977 Millionen US-Dollar Soforthilfe, mit deren Eingang die UN-Koordinationsstelle für humanitäre Beistandsmaßnahmen OCHA bis Ende Januar fest gerechnet hatte, sind bis gestern erst knapp 40 Prozent, nämlich rund 360 Millionen Dollar, auf dem UN-Konto eingetroffen. Das teilte OCHA-Vizedirektorin Margareta Wahlström nach ihrer Rückkehr aus der Katastrophenregion mit.

Wahlström erinnerte daran, dass die Regierungen von 35 Staaten auf einer großen Geberkonferenz am 11. Januar in Genf zugesagt hatten, der UNO die erforderlichen Mittel bis spätestens zum 31. Januar zur Verfügung zu stellen. Die 977 Millionen Dollar werden benötigt, um bis Mitte des Jahres die vordringlichsten Maßnahmen der humanitären Versorgung und der Überlebenssicherung in der Katastrophenregion zu finanzieren, bevor dann der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur beginnen kann.

OCHA hatte den Regierungen einen detaillierten Plan zur Verwendung der 977 Millionen Dollar vorgelegt. Dieser Plan enthält alle Manahmen und Projekte, die UNO-Organisationen in der Soforthilfephase durchführen wollen. Dennoch sind die meisten Regierungen nicht bereit, der OCHA die versprochenen Summen pauschal zu überweisen. Stattdessen führen die Regierungen langwierige bilaterale Verhandlungen mit den einzelnen UN-Organisationen über deren Vorhaben in der Krisenregion. Das gilt auch für die Bundesregierung, die auf der Genfer Konferenz 50 Millionen Euro und zuvor bereits 20 Millionen Euro zur Deckung der Soforthilfekosten zugesagt hatte.