Kontrollieren, nicht abschaffen
Iranisches Atomprogramm: Die EU stellt die falschen Forderungen
Andreas Zumach
Die EU schließt ein militärisches Vorgehen gegen Iran bislang aus. Brüssel will den
Konflikt um das iranische Atomprogramm ausschließlich auf dem Verhandlungswege beilegen.
Das ist gut so. Doch besteht die große Gefahr, dass die EU mit ihrem Verhandlungsansatz
scheitert und ihr dann als Option nur noch die Unterstützung oder Ablehnung eines von
Washington geführten Krieges gegen Iran bleibt. Denn die EU erhebt in der Sache dieselbe
Forderung an Teheran wie die USA: Das Land soll auf die Urananreicherung verzichten -
selbst zum international ja nicht verbotenen Zwecke der Energiegewinnung.
Doch auf diese Forderung würde sich wohl selbst eine demokratisch gewählte Regierung
in Teheran nicht einlassen. Schon allein deshalb, weil diese Forderung eine
Diskriminierung im Vergleich zu anderen Ländern bedeutet, die die erlaubte
Urananreicherung zu zivilen Zwecken ebenfalls betreiben. Die Eliminierung der heute im
Iran vorhandenen atomaren Kenntnisse, Fähigkeiten und Kapazitäten wäre - wenn
überhaupt - nur mit einem Krieg und der Besetzung des Landes möglich. Die einzig
realistische Strategie zur Beilegung des Konflikts wäre daher die Forderung an Teheran,
sich multilateralen Kontrollregimes und Transparenzregeln zu unterwerfen.
Das böte die Gewähr, dass ein Missbrauch der Urananreicherung zu militärischen
Zwecken schnell entdeckt, sanktioniert und beendet werden könnte. Je eher die EU diese
Forderung zum Kern ihres Verhandlungsansatzes mit Teheran macht, umso besser. Und die
Aussichten auf einen Erfolg dieser Verhandlungen wären noch größer, wenn die EU
dieselben Forderungen nach Unterwerfung unter multilaterale Kontrollregimes zugleich auch
gegenüber Brasilien, Südafrika, Südkorea und anderen Staaten erhöbe, die derzeit
Urananreicherung betreiben. Und wenn die EU gemeinsam mit den USA dafür sorgen würde,
dass sich auch Israel mit seinen nachweislich bereits existierenden rund 300 atomaren
Sprengköpfen endlich einer internationalen Kontrolle unterwirft und beginnt, sein Arsenal
abzubauen.
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